doppelt erlaubt 17.5.2021, 0:00

Gericht hebt Waffenverbot für Doppelmörder auf
kurier.at

Manchesmal könnte ein Artikel (er sei bestimmt oder unbestimmt) zum Verständnis einer Meldung wesentliches beitragen. Demgemäß handelt es sich bei o.g. Schlag- genaugenommen um eine Schusszeile, und ihren Zweck, die unmittelbare Erregung, hat sie ohne allen Zweifel bravourös übererfüllt: Wer wollte sich nicht vor Doppelmördern fürchten?

Mörder (richtige Mörder), die im Geschäft bleiben wollen, mögen tunlichst darauf achten, stets paarweise zu morden.

Wie nun sieht es bei Doppelmörderinnen aus? Dürfen die wieder einmal nicht, was Männern (richtigen Männern) erlaubt ist, erlaubt sein muss!?



abrüsten 16.5.2021, 0:00

aggiornamento
Zentralbegriff, Johannes XXIII

Mohammed in Interview versöhnlich
Unterüberschrift, orfon

Aus vielerlei Gründen gilt es zurecht generell als äußerst schwierig, Religionsgründer persönlich vors Mikrophon zu bekommen. (Auf ein Bild müssen wir weiterhin verzichten, aber immerhin, es gibt da ein paar einschlägige Bleistiftzeichnungen.) Wollen wir nun also hoffen, dass Er – Friede sei mit Ihm – ein paar friedensförderliche Erläuterungen und Zurechtrückungen gegeben hat. Wobei: Versöhnlich kann sich jemand nur geben, der der Meinung ist, beleidigt worden zu sein. Und die Bereitschaft zum Beleidigtsein ist allerdings weltumfassend.

(Wie wichtig und zugleich prekär doch die Erlangung dauerhaften Friedens sein muss, wenn man immer darauf hinweisen muss, dass er mit Jemandem sein muss; klingt verdächtig nach einschlägigen Einleitungsvorausschickungen à la »ich hab ja nichts gegen (…), aber (…)«.)

Betrüblich all das.



flachhalten /2 15.5.2021, 0:00

Salon Funk im Radio. Zwei Damen, Kulturladies, duzen einen duzenden Künstler – man kennt sich vom Sehen (die Damen, Ihn, vom Publikum augenaufschlägig aufblickend, dieweil es Ihm auf den Brettern Sich zu emanieren gefiel) –, dessen berühmte Leistung ist, dass Er alles alleine macht und das mächtig super findet und auch zu finden gewährt, Sich, zuvörderst, inklusive (die Kulturladies lösen’s brav ein und finden sich dabei selbst entsprechend voll super): Keiner kann so Alles wie Philipp Hochmair, keiner hat so Ganz Oben angefangen und ist Noch Weiter hinaufgelangt alswie Er, obwohl Er sich von Anfang an nichts weniger als Das Schwerste vorgenommen hat, das sich unter Seiner Macht devot zu Seinen Füßen zusammenringelt.

Und ist dabei so bescheiden geblieben. Dieser Tage steht Er win Wurm Modell, als Allegorie der demut.

Demnächst stehen die Hagiographien der beiden bedeutendsten Männer, die die österreichische Sozialdemokratie je geprägt haben, zur Verfilmung an. Gespannt warten wir, wer Doskozil und wer Dornauer verkörpern darf. Das ist aber nun die falsche Fragerichtung: Dosko und Dorni fiebern, wer ihnen Körper (und Stimme!) verleihen wird. Dabei ist es so einfach: Hochmair spielt sie beide! Und die Rendi gleich dazu, Ludwig geht auch noch mit, und zuletzt, als Steinerner Gast, erscheint Er Sich Selbst als kreisky und fährt ab mit Sich nach Mallorcaaaahhhh—

Bleiben wir dran!



flachhalten /1 14.5.2021, 0:00

Außerhalb des Politalltags versuche er, ein möglichst normales Leben mit Einkaufen und Kochen zu verbringen, so Doskozil.
orf.at/burgenland, 2021

Shoppen und Ficken
Aktivitätenausgleich, nach Mark Ravenhill (1996)

Hand aufs Herz: Wer wollte nicht, abseits allen Politalltags, ein möglichst normales Leben mit Einkaufen und Kochen verbringen (so wie Doskozil)? Wer würde je etwas anderes wollen wollen oder wollen sollen? Dürfte es je anders sein? Fässer indes, sie laufen über, und geheiratet wird dann ja auch noch.

Flachhalten ist eine, ja: die genuin pannonische Disziplin, und Normal, das ist der rechte Winkel. Ziemlich steil, das. 

Gespannt warten wir auf die überfällige Homestory des glorreich dornauerischen Tirolers (die D-Achse): Welche Freizeit, welches Auto, welche Hinterbank? Irgendwelche Flecken?



zentrifäkal 13.5.2021, 0:00

Mobiles WC fuhr auf Linzer Kinderspielplatz Ringelspiel
kurier.at

Na wenn’s mobil ist, was spräche dagegen? Nicht zu alt soll es halt sein, aber bekanntermaßen unterliegen Mobilklos ohnehin einer recht kurzen Produktrotation.

Den Jugendlichen, die sich da einen deftigen Scherz erlaubt haben, danken wir jedenfalls die Idee für ein originelles Fahrgeschäft. Vielleicht zentrifugiert so eines ja schon bald (wenn wir wieder dürfen) am Urfahraner Markt oder im Prater. 

Würschtlprater.



Analogprodukt 12.5.2021, 0:00

Fritte! Frähätt!
Kenne Dicktatua!

sonntäglich-abendlicher Spaziergängerruf

Die keppelnde Fundamentalopposition der vormals glorreichen Regierungspartei fährt, wir wissen es, eine (zumindest ihren Anhängern als subtil erscheinende) Zwei-Marken-Strategie. Auf der einen Seite zetert da der einst wenn nicht gerade größte, so doch jedenfalls (nach Eigendefinition) Beste InnenMinister Aller Zeiten (BIMAZ), auf Empörung getrimmt und in logorrhoeischer Rotationspermanenz. Ihm in abwägend-besinnlicher Attitüde gegenübergepolt der – gleichwohl einst – beinahe bundespräsidentielle, auf besonnen machende Dritte Parlamentspräsident, dessen höchste Erregung vorgeblich ist, dass ihn etwas ›ein bisschen traurig‹ macht. Inhaltlich lässt sich die Zwei-Marken-Strategie mit dem Produkt kolischen Durchfalls einerseits und einem kompakt und tadellos symmetrisch in die weiße Keramikschüssel gekringelten Würschtl andererseits analogisieren, nichts anderes also als lediglich zwei unterschiedliche Aggregatszustände ein- und desselben, ist und bleibt doch beides: Scheiße.

Da gibt es nämlich bitte nichts zu beschönigen. Aber schon gar nichts.



Ablösung 11.5.2021, 0:00

Regierung kauft KZ Gusen
orfon

Es gibt Meldungen, die bedürfen einer erläuternden Kontextualisierung: Selbst einen Mitte der Sechzigerjahre geborenen reißt es unwillkürlich beim Lesen einer solchen Zeile. 

Jede angewandte Pädagogik hat ihre Schule in der Kindheit der Erziehungsberechtigten. Ein wesentliches Repertoireelement des Aufwachsens waren einschlägige Drohungen, abgestuft nach der Schwere des jeweiligen Vergehens. »Dann holt dich der Schwarze Mann!« – »Ich geb dich noch ins Heim!« – sowie, historisierend, insbesondere für Gedankenvergehen »… unterm Hitler wärst du dafür ins KZ gekommen.«, wodurch Hitler, wohl seines Stummelbärtchens wegen, in eine gewisse Deckung mit dem Schwarzen Mann gelangte, vor dem hat man die Furcht allerdings mehr vorgetäuscht, damit die Mutter ihn als Sanktionsfigur nicht wegevaluierte. 

Die Frage »Kochlöffel oder Teppichpracker?« war mehr eine Frage, was im mütterlichen Affekt gerade in Griffweite war. Beide als Erziehungsgeräte dienenden hausfraulichen Spezialwerkzeuge hatten ihre Qualitäten, was jedoch die Qual steigerte, da sich das Kind zusätzlich zum aktuellen Entsetzen ausmalen konnte, wieviel mehr oder weniger schmerzhaft die andere Züchtigungsnuance sich jetzt anfühlen würde: Der dumpfklatschig verteilte Schmerz vom großflächigen Weidengeflecht konnte im engen Vorzimmer nicht recht sein Potential entfalten, und der Kochlöffel war in der Küche. Gefährlich wurde es, wenn die Mutter so in Rage war, dass sie entweder, rasch, damit ihr Zorn nicht verfliege, den Kochlöffel aus der Küche holte, oder einen ins Halboffene, am besten vor die Wohnungstür, zerrte, und schon hat es geschnalzt. Dazu keuchend Drohungen, die einen den Schwarzen Mann herbeisehnen ließen, und im Heim wäre man ja schließlich auch daheim, und keine schlagende Mutter weit und breit. 

Der Mutter war es wichtig, das wir stets genau wussten, weshalb wir geschlagen werden, was uns auszeichnete vor den anderen Kindern in der Nachbarschaft. Und darum hat es uns auch überhaupt nicht geschadet.

Regierung kauft KZ Gusen
orfon

Es gibt Meldungen, die bedürfen immer einer erläuternden Kontextualisierung.



pastellig 10.5.2021, 0:00

Naturnahe Raumdüfte annonciert ein zart animiertes Werbebanner. Es gäbe sie exklusiv bei Interspar, erfahren wir noch, bevor der Clip wieder von vorne beginnt: Vegan, bio, keine Tierversuche, ausschließlich natürliche Ingredienzen! Herz bzw. Nase, was willst du mehr!

Unlängst hat Günter Kaindlstorfer im Radio ein wohltuend differenziertes Portrait von Erwin Ringel gestaltet, da kamen auch naturnahe Raumdüfte zur Sprache. Halt keine veganen, aber diese Schmerzen waren zu Ringels Zeiten noch nicht derart im Schwange alswie heutzutage.



Grauwerte, doppelt verblindet 9.5.2021, 0:00

Das Teilprojekt A01 »Koloristische Humandifferenzierung« des geplanten Sonderforschungsbereichs 1482 »Humandifferenzierung« an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sucht – vorbehaltlich der Förderbewilligung ­­– ab dem 01.07.2021 eine/n Doktorand:in.
akademische Stellenausschreibung

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.

Goethe: Faust. Der Tragödie erster Teil

Rassismus nach Hautfarbe heißt jetzt also »koloristische Humandifferenzierung«. Klingt ja auch irgendwie fröhlicher, weil bunter: Sämtliche einschlägigen Probleme dürften getrost bald schon für final gelöst gelten; theoretisch, aber immerhin. Lässt sich so auch besser akademisch evaluieren. Bitte aber nicht auf die Kontrollgruppe vergessen, damit Placebo-Effekte ausgeschlossen werden können.



An der Wurzel 8.5.2021, 0:00

Finanzminister festgenommen und abgesetzt
orfon

Es ist ein mit zunehmenden Jahren sich auswachsendes Phänomen, dass wir, insbesondere beim Abäsen wischtauglicher Neuigkeiten (zumeist alte Hüte) im schnellschnell Drüberschaun Teile derselben verdrehen, ausblenden, manchesmal gar ganze Worte übergehen. Der Grund ist in auf anpassende Zurechtrückung pochenden Tagesresten und implizierenden Wunschvorstellungen, wie sich eine gerechtere Welt gestalte, zu erahnen: Wir bauen, konstruieren, unwillkürlich und durchaus radikal, dem kommen wir nicht aus.

In obiger Meldung wurde (geflissentlich?) das erste Wort überlesen, ein Ortwort: »Katars« wars. »Der Fall zeige, dass Katar den Kampf gegen Korruption offenbar ernst nehme, sagte ein Diplomat der Nachrichtenagentur AFP.«, heißt es am Ende des sehr informativen Beitrags. 

In Katar müsste man sein.



höchst geschwind 7.5.2021, 0:00

Neue Renault-Autos sollen nicht schneller als 180 fahren 
orfon

Die Interessensvertreter alter Renault-Autos, aber auch Peugeot-Wägen, nicht zu vergessen die sämtlicher Citroën-Karossen (aficionadesquement luftschwimmerige alte gleichwie frisch beim Fabrikstor hinausgekarrte), möglicherweise auch von internationalen Fabrikaten anderen Namens sind derweil heftig am lobbyieren, dass es nur so wummert. 

Fix ist: Der legendäre Austro-Porsche bleibt außen vor und rotiert weiterhin am Stand, wie eh und je und demnächst wohl auch elektrisch. 

Man nennt das Fortschritt. In ihm sind wir begriffen. 



aufatmen 6.5.2021, 0:00

Neuer Kobra-Chef: »Es gibt genug terroristisches Potenzial«
kurier.at

Es ist verständliche Sorge eines jeden Betriebsleiters, seinen Leuten genügend zu tun geben zu können. Wer nun also dieserzeit der giftschlangenmenschlich-chimärischen Polizeieinheit angehört, hat stets einen sicheren Arbeitsplatz. 



pickt 5.5.2021, 0:00

Näher, mein Gott, zu Dir
titanischer Sehnsuchtshymnus

Altottakringer Kirche, Erhöhung des Hl. Kreuzes. Unter dem neospätromanischen Tympanon prangt ein dem Kirchenjahr sinnig eingepasstes Textiltransparent, darauf sind, mit unsichtbarem Stich, sechs von links nach rechts konsekutiv zu lesende schematische Darstellungen aufgenäht, sie sollen uns wohl (1) Palmsonntag, (2) Gründonnerstag, (3) Geißelung, (4) Kreuzigung, (5) die Pietà und (6) den Auferstandenen zeigen, wie er zuletzt, wie im Triumph, die Arme ekstatisch hochreißt. Linkerhand steht noch, damit es wirklich alle verstehen, JESUS LEBT. Die Darstellungen sind, wie gesagt, jeweils recht schematisch. So wurde etwa, eine künstlerisch durchaus plausible Entscheidung, auf die Ausführung der – ikonographisch nicht völlig unbedeutenden – Kreuzigungsnägel verzichtet. 

Im Vorbeilaufen kann ich mich jedesmal nicht erwehren, korrigierend den elften Buchstaben des Alphabets einzufügen zu wollen: JESUS KLEBT (wahre Aussage).

Alle müssen wir dranglauben. 



verschlossen 4.5.2021, 0:00

Wiederverschließbar steht am linken unteren Eck der Verpackung des praktisch in sieben Scheiben gegliederten halbharten Schnittkäses, gleich neben dem Gütesiegel 10-facher Käsekaiser (eine kecke Behauptung, der gemäß 1 Bergbaron gleich 10 Käsekaisern entspräche!)

Das mit dem wiederverschließbar mag schon sein. Wie indes der Genusswillige ohne unmäßig Gewalt anwenden zu müssen den angestrebten Wandel zum Genießer vollziehen kann, verrät die appetitliche Sichtverpackung leider nicht. Nach etlichen irregeleiteten Versuchen macht zuletzt jedoch ein fummelig-unreproduzierbares Daumenspiel überraschend und fast schon enttäuschend kurzen Prozess. 



dringliche Desiderate 3.5.2021, 0:00

Kommission will künstliche Intelligenz regulieren
orfon

Generell wäre es längst überfällig, dass endlich einmal sämtliche Intelligenz, auch die natürliche, reguliert werde. Nicht zu vergessen die besonders ausgefuchsten hybriden Formen. 

Noch problematischer allerdings sind bitte die allzu verbreiteten Spielarten künstlicher Blödheit. Wer aber säße in einer ihnen gewidmeten Kommission? Qualifikationserfordernisse?



Essschlussrechnungen 2.5.2021, 0:00

Pizza Hawaii ist angeblich die zweitmeistbestellte Pizza. Und: Ananas zweite Wahl heißen ganz sicher Bananas.

Lebten wir in einer reziproken Welt (aber tun wir das nicht ohnehin?), so müsste, gäbe es sie, Bananenpizza die meistbestellte Pizza sein.

Eisspaghetti? Von welcher Inselgruppe? Spitzbergen? 

(Antarktische Spaghetti sind reziprok pinguinanalog undenkbar.)



Abmarsch! 1.5.2021, 0:00

Wiener Höhenstraße: Spaziergänger findet Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg
kurier.at

Jetzt ist dann aber einmal Schluss mit diesen Spaziergängen! Was sonst sollen die denn bitte finden alswie unselige Relikte aus dem Weltkrieg, die bzw. den uns ihre mindestens genauso harmlos spazierenden Vorgänger eingebracht haben!?



verfahren 30.4.2021, 0:00

17 Verfahren nach Babyparty nach Haimbuchner-Besuch
orfon

Schon sonderbar, dass just Sympathisanten einer Gesinnungsgemeinschaft in Fokus stehen, aus deren Reckenreihen gerne flapsige Gleichsetzungen von Regenbogenmenschen mit Kinderschändern lanciert werden, weshalb derartige Fahnen tunlichst verbrannt werden müssen, publikumswirksam bei besorgten Spaziergängen und, wenn keiner zuschaut, auch an öffentlichen Gebäuden, Kirchtürmen etwa.

Jetzt interessiert mich aber wirklich, welcher Art diese 17 Verfahren sind, und darum klikke ich unverzüglich hin.



Normal, Super, Diesel 29.4.2021, 0:00

Dreifacher Tankstellenraub: Verdächtiger gefasst
orfon

Interessant wird’s, wenn dereinst E-Tankstellen (Gleichstrom, Wechselstrom, Drehstrom) überfallen werden werden. Gibt es da schon etwelche Erfahrungswerte? 

Stromschurken, wir erwischen euch!



Jolly good fellows 28.4.2021, 0:00

Vereinigung der Freunde Christi
Baukostenträger, Rio Grande do Sul, Brasilien

Freunde der italienischen Oper
Betonmischervereinigung, Chicago-Florida-Corleone PA

Es dürfte die italienische Oper und auch den Freund der Freunde Christi sehr freuen, solche Freunde zu haben. Vermutlich werden sie aber nie davon erfahren: Nobody’s perfect. Außerdem wird auf Nachfrage (auch ohne) beredt geschwiegen.



einspurig 27.4.2021, 0:00

Erstes fertiggestelltes Tunnelprojekt von Elon Musk enttäuscht
kurier.at

Merke (Sprachregelung): Wenn etwas Großes fertiggestellt ist, so ist das ein, nein: der Anfang. Wer dort ein Licht erwartet, bewegt sich aufs Ende zu.

Kann sein, es ist der Gegenzug.



Telebanking? 26.4.2021, 0:00

Die Wiener Polizei hat einer Bankräuberbande das Handwerk gelegt, auf deren Konto sieben Überfälle in Wien, Salzburg und Graz im Vorjahr gehen dürften.
orfon

Wie sieht so ein Überfall aus, bei dem die überfallene Bank offenbar lediglich einem banditischen Einziehungsauftrag nachkommen muss? Steht da ein seltsamer Zwang dahinter? Bei welcher Bank kann ich ein derart universalempfängliches Konto eröffnen? Muss ich mich zur Legitimation dafür maskieren und wenn ja, wie? 



Paparsifal 25.4.2021, 0:00

Ich begleite Papa zum Neurologen, ein – für mich – fixes halbjährliches Ritual. Papa fragt jedesmal, zu wem wir gehen und bekräftigt bei jeder Station (Hauseingang, in den Lift, im Lift, aus dem Lift, in die Praxis, beim Mantelausziehen, nach dem Inderordinationumschauen), dass er da aber ganz sicher noch nie war. Schließlich, wie er ihn einmal durch das Wartezimmer gehen sieht, entsinnt er sich irgendwie doch des Arztes. Oder er findet sich drein: Es hat sich als taugliche Strategie erwiesen, sich doch recht zu erinnern, denn dann wird er belobigt, und wer wird das nicht gern. 

(Muss das mühsam sein, im hohen Alter, für etwas auf die Schulter geklopft zu bekommen, was bis vor nicht so weit zurückliegender Zeit zu Recht keiner gesonderten Erwähnung bedurft hätte. Papa erträgt das alles mit einem gewissen stoischen Optimismus oder eben: Er findet sich drein: »Muas jo geh’.«)

Diesmal gehen wir vor dem Gespräch mit dem Doktor zur Assistentin. Sie macht den Vortest. Papa soll nur ein paar Fragen beantworten, nichts schlimmes, aber er ist ohnehin nicht argwöhnisch, hat sich sein offenes Wesen behalten. Nach einigen teilweise unerwartet präzise gegebenen Antworten (es waren aber auch abenteuerliche Weltkonstruktionen darunter) bittet ihn die Assistentin, einen Satz auf einen Zettel zu schreiben, irgendeinen, muss nicht lang sein. Papa muss gar nicht überlegen und fängt gleich zu schreiben an. Seine Handschrift ist schon arg deformiert, aber für mich ist es rasch klar mitzulesen, sodass ich der Assistentin, die mit vier, fünf Worten zufrieden gewesen wäre, bedeute, sie möge ihn fertig schreiben lassen, er ließe sich ohnehin nicht davon abbringen, sodass bald da steht: 

Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.

Abbusseln hätt’ ich ihn mögen: Ende November kommen wir wieder!

(Kleine Erläuterung: Mein Vater verfügt über keinerlei sog. Höhere Bildung. Aber in den sechziger Jahren hat er, da er nebenbei als Filmvorführer gearbeitet hat, sehr oft den Faustfilm mit Gustav Gründgens und Will Quadflieg gezeigt und dabei vor allem auch gehört. Das ist ihm hängengeblieben, und bis heute braucht man ihm nur ein Hölzl zu werfen, und schon sagt er seine liebsten Sprüche, ja ganze Szenen fast auf, aus seinem ansonsten mittlerweise recht hermetisch verschlossenen Gedächtnis.)



unschwer /2 24.4.2021, 0:00

Linzer Bevölkerung nimmt ab
orfon 

Wer abnimmt, schaut gerne hin: Sichtbare Displays zeigen es an. 



unschwer /1 23.4.2021, 0:00

Waage mit unsichtbarem Display 
rätselhafter Produkterwerbsanreiz

Erst wenn die Waage bricht, bist du zu schwer. 

(Macht Appetit auf mehr.)



voll auf Zug 22.4.2021, 0:00

Strafvollzug: Zadic will Fußfessel ausweiten
orfon

Aber dann rennen doch die ganzen Pülcher davon!

Lasso, das wär’s.



cojones 21.4.2021, 0:00

Zwei Männer haben sich in Mexiko als Senioren verkleidet und so Coronavirus-Impfungen erschlichen. Die beiden hatten sich die Haare und Augenbrauen weiß gefärbt.
orfon

Es ist ein Brauch von alters her
Wer Sorgen hat, hat auch Likör
Wilhelm Busch, Die fromme Helene

In Österreich gibt es Leute, die verkleiden sich als Junioren, damit sie nicht geimpft werden. Spucken in die Suppe und beschweren sich, wenn sie ihre Portion aus ebenjenem Kessel erhalten, Schweinerei!, Diktatur! und so. Die haben doch nur Angst vor dem Piekser: keine Eier.

Beim Kalypso ist dann ohnehin alles wieder gut: In Mexiko müsste man sein! 



Waschbärenzwang 20.4.2021, 0:00

Kassel ist die Waschbärhauptstadt Deutschlands
neobiotische Neuigkeit 

Oooch diese possierlichen Panzerknackerfüchse!

(Im – genauer besehen: unbegründbaren – Herzigfindenmüssen völlig be-, ja: gefangen!, vermag der Autor keine weitere Pointe für seinen heutigen Text zu komponieren oder auch nur irgend aufzuspüren.)



Spurensicherung 19.4.2021, 0:00

Steirische Seekuh wurde Opfer eines Tigerhaiangriffs
paläobiologische Neuigkeit 

Seit unvordenklichen Zeiten gilt: Seekühe sind in der Steiermark streng geschützt. Strengstens!

Gibt es eigentlich (oder gab es je) Haitiger? In der Steiermark? Sichtungen?

Auf holländisch heißt die Steiermark Stiermarken, was auf dänisch wiederum Steiermark bedeutet.



Waranwarenwaran 18.4.2021, 0:00

Eine Riesenechse hat in einem Supermarkt in Thailand für Panik und Chaos gesorgt. In einem von einer Angestellten gedrehten Video ist zu sehen, wie der 1,6 Meter lange Waran senkrecht an einem Regal hinaufklettert und dabei mit seinen stämmigen Beinen die Waren von den Brettern räumt.
orfon

Woran der Waran wohl dranwar? An Waranwaren? Wer führt Waranwaren? Welche Waranwaren wären das? Wollte er sich suhlen? Worin und warum?

Oben angekommen, macht es sich das Tier gemütlich und lässt seine lange Zunge spielen.
orfon

Oben angekommen macht es sich so mancher gemütlich; langzungzüngelnd – nunja, das gehört sich heutzutage nicht mehr so. Indes, den ins Präsens wechselnden, nachgerade poetischen Ausstieg wollen wir wohlwollend wertschätzend vermerken: vermittelt er doch eine Wandlung einer hoffnungsfrohen Zukunft zu. Irgendwie ein Erwachen. Erwachsen erwachen.

Und es war ihnen wie eine Bestätigung ihrer neuen Träume und guten Absichten, als am Ziele ihrer Fahrt die Tochter als erste sich erhob und ihren jungen Körper dehnte.
Franz Kafka, Die Verwandlung

War’s gar eine Waranin?



bestgeeignet 17.4.2021, 0:00

Seele fehlt
aus dem Katalanischen

Die leitend sachbearbeitende Person (Sachvorbearbeiter/in? Vorsachbearbeiter/in? Besachvorarbeiter/in?) verfügte zweifellos über eine gewisse Passion für die Verwaltungsabteilung, in die es sie verschlagen hatte, einzig jedoch in dem Sinn, dass sie sachbearbeite. Mit der gleichen Anteilnahme hätte sie mitteldichte Faserplatten (MDF) und Linoleumböden verwalten können, letzteres vermutlich sogar mit Inbrunst. Li-no-le-um, und Nabokov grüßt. Einziger, allerdings wesensmäßiger Unterschied: Den MDF ist ignorante Behandlung wurscht, dem Lolinoleum möglicherweise auch. 

Nun hatte die Person sich ins Rayon der sachzubearbeitenden Menschen hochgedient.

Manche blieben besser dort, wo sie herkommen.

Hoffnungsvoller Ausblick: Für die Bewerbung um die Leitung eines in Aufbau befindlichen Rauhfasertapetenarchivs werden reelle Chancen ventiliert, neben Bernddasbrot und Cyborgblümel in den Dreiervorschlag zu gelangen. Mit einem Wort: Glänzende Aussichten!

Das war nun ein Wort zuviel.



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