höllisch hell Dienstag, 29. 9. 2020, 0:00

Testen, testen!
Politische Forderung

Schimmer am Horizont
Politische Behauptung

Im Tunnel gibt es beliebig viele Horizonte. Licht am Ende des Horizonts? Welches Ende? Welcher Horizont?

Wir werden wohl die Wahlen abwarten müssen. 

Wien, Welt. 



unsolidarisch Montag, 28. 9. 2020, 0:00

Flexible Solidarität 
Kanzlertugend

Zusätzlich im Angebot: Flexibles Verhungern. Flexibles Anderwandstehen. Flexibles Ertrinken. Weitere Features sind in Ausarbeitung, wir erweitern beständig, auf Zuruf. 
Eigentlich unverständlich, warum da der Herr Orbán nicht dabei sein mag. 

Verstörend. 



Auf! Sonntag, 27. 9. 2020, 0:00

AUA plant Schnelltests für Passagiere
orfon

Wir kennen es vom Landen. An Zielorten in südlicheren Ländern genügt oftmals bereits das Aufsetzen der Hinterräder, und schon schnellen sie hoch von ihrem Sitz, auf die overhead bins! Es erfolgt die gelangweilt-eindringliche Durchsage, die Leute mögen sich doch bitte wieder hinsetzen »until the airplane has come to a complete and fully stop«. Bei uns im gemütlichen Wien geht das Drängeln erst beim schrittgeschwindigen Rollen zur parking position los, die Fenstersitzer gegen die diesbezüglich vorausschauenderen Gangsitzer – dabei werden die devoten Mittelsitzer generell ignoriert, oftmals regelrecht zerrieben. 

Jetzt wollen wir aber wissen: Wie kann ein derartiger Schnelltest eigentlich ablaufen, perfekt standardisiert? So ähnlich, wie wir das von Crashtests kennen?

Wie schnell können Sie sitzen?



Auf Gegenseitigkeit Samstag, 26. 9. 2020, 0:00

Verunsicherung bei Vereinsmitgliedern 
orfon

Allgemein bekannt ist ja, dass etliche Versicherungen als Vereine organisiert sind. 

Jetzt, wie!?



Blaumäuse Freitag, 25. 9. 2020, 0:00

›Ibiza-Video‹: Ermittlungsstopp zu FPÖ-Vereinsspenden
orfon

Lokalaugenschein im Defereggental, Pension Edelweiß. Ein in seiner Umgebung schlichtes Häuschen, man könnte sagen liebenswert-ärmlich: Da ist nichts zu holen. Lediglich ein paar Motorräder mit UU-Kennzeichen davor, am Solder, müde lederne Graurücken (Silber- wäre euphemistisch). Ansonsten nichts verdächtiges weit und breit.

Da wird sich wohl jemand finden müssen, der eine Spendenaktion aufzieht. 

Das Gold ist immer verborgen, am Horizont ein Schimmer.



Hot Stuff Donnerstag, 24. 9. 2020, 0:00

Zu viel ist zu viel
Petition (sic!)

Genug ist nicht genug
Generationenmotto (Konstantin Wecker)

Hier geht es um den Lärm, den Motorräder verursachen. Der für die Kalte Kuchl regional zuständige Bürgermeister stoße jedoch bei den Behörden auf taube Ohren, heißt es. Was sonst?, denkt der Rezipient. Muss doch die Behörde an sich taub und blind sein für Befindlichkeiten, damit sie planmäßig und gerecht vorgehen kann. Dabei werde ohnehin bereits strengstens kontrolliert: 

Ein Lenker war mit knapp 170 km/h unterwegs, elf Motorradfahrer mussten ihren Führerschein abgeben. 
kurier.at

Sippenhaftung im Verhältnis 1:11, sowas gab es nicht einmal in finstersten Zeiten, werden da die Biker wohl – nicht zu unrecht – gegen derartig drakonische behördliche Maßnahmen einbringen.

Es muss, überall, an belastbaren Argumentationsstrategien gearbeitet werden.

Aufbruch.



Evolution Mittwoch, 23. 9. 2020, 0:00

Ilsebill salzte nach
Günter Grass, Der Butt

Im Lauf der Zeit verfeinert sich alles, bis zu einem gewissen, hochartifiziellen Grad, wo es so nicht mehr weitergehen kann. Dann kommt ganz Neues.

Ob man von einer Entwicklung des (stets ehrlichen) Handwerks zum Höheren sprechen kann, wenn auf einen Salon Scherer in perfekter matrilinearer Erbfolge (Tochter folgt Mutter) ein in standesgemäßer Verehlichung erworbener Betriebsname Salon Schneider ward? Im obersten Lesachtal ist es so geschehen, und in der nächsten Generation wird es wohl zumindest ein Salon Bittenurdiespitzln werden müssen. Und dann noch weiter, höher, mit Haarverlängerung und Wasserstoff, wasweißich…

In Leoben hat sich eine Friseursdynastie gar bis zum Hairgott hochevoltiert. Dann aber muss es wieder von vorn losgehen. 

Oder es kommt ganz Neues.



Schlieferservice Dienstag, 22. 9. 2020, 0:00

Gemeiner Ohrwurm löst Trinkwasser-Chaos aus
Kronenzeitung

Lass mich dein Badewasser schlürfen 
erotische Phantasie (histor. Ohrwurm, harmlos)

Chaos in unserem so uniform dahinrinnsalisierenden Trinkwasser, das wollen doch die sich so regsten Zulaufs erfreuenden aluverhüttelten Verschwurbeler dieser Tage: dann sei es nämlich informierter. Könnte man also nicht diesen so unsensibel mit gemein apostrophierten Ohrwurm in einer tauglichen Potenz auf Globuli träufeln und in sämtliche Wasserspeicher und Verteilerrelais ein-, d.h. ausbringen? 

Es wird uns allen gleich viel besser gehen: Sämtliche (sämtliche!) Seuchen können sich schon jetzt schön warm anziehen.

Wo nicht überall die kuriosesten erotischen Phantasien so lauern; ungemein populär das alles. 



Reaktor (säkular) Montag, 21. 9. 2020, 0:00

Ein Kelomat kann Kartoffeln beschleunigen
Harald Gsaller, zack!

Ein im Sommer 2020 aufgekommenes Video, welches angeblich zeigen soll, wie Kanzler Kurz Tomatensugo für die Mutti zubereitet, ist als plumpe Fälschung enttarnt worden. Kanzler Kurz, in solchen Dingen gelassen, hat nicht einmal nicht drauf reagiert.

Wirklich, Kanzler Kurz ist der beste Nichtreagierer, den wir je hatten. 

So regiert man heute. 



Reaktor (sakral) Sonntag, 20. 9. 2020, 0:00

Der Teufel trägt Prada
Film mit Heidi Klum as herself (2006) 

Häppi Börsdäi tu juu
Mamilade im Schuu

Die Kinder im Zahnwechsel feiern die Mutti

In den Schuhen des Fischers
Film mit Anthony Quinn (1968)

Ihm träumte, der Tomatenhasserin träumte, sie sei Innenausstatterin für die feinen Leute und habe den Auftrag, dem Bischof von Völkermarkt (wohl von einem durch Sezession zu errichtenden Bistum St. Paul-Völkermarkt) einen bestimmten 60er-Jahre-wöntädsch-Schuhschrank aus Klagenfurt zu holen, den sie zwar (mit seinem Bargeld) bezahlen musste, aber nie zu Gesicht bekommen sollte. Wegen des Transports möge sie sich keine Sorgen machen, das schaffe sie schon, sagte der Kirchenfürst und dabei blinzelte er nicht, sondern er zuckte eher, mit dem Rand der linken Augenbraue, ein-, zweimal, nicht unfreundlich, aber bestimmt: eine – nicht unangenehme – Autorität.

Von 2005 an gab es einen Papst, der stand auf (in) rote(n) Schuhe(n). 2013 verzichtete er auf sein Amt.

Tomatenmarmelade gibt es auch, und sie ist nicht mit Ketchup zu verwechseln.

(Ob es sich bei der geschilderten Traumsequenz um eine erotische Phantasie handelt, ist nicht ganz so leicht zu sagen.)



Kalbtraum Samstag, 19. 9. 2020, 0:00

Am Plöckenpass, keine 20 Meter nach der Grenze. Das Rindvieh war so schnell vors Auto gesprungen, er hatte, was für ein Glück, bei grenzübergangsadäquater Geschwindigkeit so unmittelbar gebremst, dass das Tier, als winde es sich geschmeidig um eine Slalomstange herum, ohne irgendein Touchieren an der Motorhaube vorbei nach rechts weggaloppieren konnte, und die ganze Szene erschien mit einemmal wie ein nicht im wirklichen Leben sich ereignet habendes Traumgesicht. Nicht einmal zum Ausschütten von Affekthormonen war es gekommen, zu schnell das alles.

Die Nacht darauf träumte er unauffälliges Zeug, tagesrestlos.

Was das Kalb wohl beim Wiederkäuen im Schlaf heimgesucht haben mochte?



Harr Harr Freitag, 18. 9. 2020, 0:00

Die schattenhafte Truppe von rechtskatholischen Überzeugungstätern rund um Kurz ist das eigentliche Machtzentrum der Republik. Sie wollen den Österreichern gern etwas vorschreiben. Sie verbinden katholische Kaderdisziplin mit einer Begabung für diskretes Rempeln, wenn keiner hinschaut.
Hans Rauscher, derstandard.at

Nicht nur Rempeln, auch diskretes Treten. Und wenn’s gut kommt, vom aus dem Vorhangschlitz herausragenden Bein, gut sichtbares Treten; der Tretende selbst bleibt selbstschweigend unsichtbar. 

Als Zugabe die besondere Kaderspezialität: sichtbare Bewegungslosigkeit.



Fremdwörtliches Spüren Donnerstag, 17. 9. 2020, 0:00

Ein bisschen mehr wäre weniger weniger 
Jean-Claude Juncker

Es geht um Solidarität. Ob man auf österreichischer Seite ein bisschen einen größeren Beitrag leisten könnte. 

Können täten wir ja. 

Der Kanzler befeuchtet seinen Finger mit seinem destilliertwässrigen Speichel und natürlich spürt er nichts, was ausufernde Humanität rechtfertigen würde: Chitinpanzer sind fühllos, schmerzfrei; 

-haft für viele. 



In Deckung! Mittwoch, 16. 9. 2020, 0:00

Hagelkorngroße Taubeneier!
Hagelkorngroße Tischtennisbälle!
Hagelkorngroße Tennisbälle!
Hagelkorngroße Kegelkugeln! 
Hagelkorngroße Straußeneier!
Hagelkorngroße Fußbälle!
Hagelkorngroße Basketbälle!
Hagelkorngroße Pezzibälle!
Marillenpoesie

Medizinbälle, wir brauchen dringend Medizinbälle!



Recht hat es Dienstag, 15. 9. 2020, 0:00

Schwechat verkauft Multiversum
orfon

Recht hat er
historischer Werbewahrspruch

Angefangen hat es mit Peter Schlemihl, der einst (um 1813, ein Großes Jahr) seinen Schatten verkauft hat. Seit 1980 gehört der Mond Dennis Hope (man glaubt’s nicht: ein Amerikaner!), der ihn seither fleißig parzelliert, sodass, wer will und entsprechend liquide ist, frohgemut sein lunares Sacherl planen kann. 

Sind alles Anfänger, wissen wir nun. Die Schwechater halten sich nicht mit so Kinkerlitzchen wie unserem Sonnensystem auf. Unsere Galaxie, ja selbst das Universum scheint ihnen zu lediglich vierdimensional.

Jedoch: Man passe auf, wem man das Multiversum (wir nehmen an: zu astronomischen Preisen) verhökert. Bereits beim Schlemihlschatten war’s eine dunkle, eine sehr dunkle Gestalt.

Wie dem auch sei: Ein paar Promille genügen.

Ich bitte, mich an den Zinsen zu beteiligen.



durchschaubar Montag, 14. 9. 2020, 0:00

Beethovens Brille in Baden zu sehen 
orfon

Das Pendant zu Beethovens Brille wäre wohl ein (noch aufzufindendes) Hörrohr Schuberts. Verfügte man über beides, würde das einem aber immer noch nicht die persönliche Genialität garantieren.

Aber bereits vor-ausgerüstet wäre man. Ein Anfang, immerhin.



Geammtes Gespräch Sonntag, 13. 9. 2020, 0:00

Amm am Ende des amm mühsamen amm Interviews mit der amm Impf-amm-expertin ammt auch die fragende amm Journalistin. Amm dabei hätte die amm Immunologin inhaltlich amm Relevantes zu amm sagen. Amm, gehabt. Schad drum. Weil wenn du als Zuhörender einmal das Ammen bemerkt hast, fokussierst du unweigerlich darauf, hörst bald fast ausschließlich ein einziges, durch unwesentliche Satzfetzen unterbrochenes Ammen, nichts anderes mehr. Worum es – vorgeblich? tatsächlich? – geht, entschwindet dem Wahrnehmungshorizont: Sie redet, als ob sie sich permanent dagegen wappnen müsste, nicht vom Wort zu kommen, wie wir das aus fernsehübertragenen Streitgesprächsrunden kennen. 

Wie aber kommt es soweit, dass jemand eine derart das Zuhören verstörende Sprechweise verinnerlicht?

Wer was zu sagen hat, soll reden dürfen. Können, das bitte amm schon auch. 



hergerichtet Samstag, 12. 9. 2020, 0:00

Fertiggerichte machen alt
orfon

Alt werden wollen wir alle. Alt sein halt weniger: Es macht einen schlicht fertig. 

Und da reden wir noch gar nicht vom Jüngsten Gericht.



Expedition (2) Freitag, 11. 9. 2020, 0:00

Laufen, laufen, auslaufen, auslaufen lassen. Alles rauslaufen lassen. Und nach dem Laufen in den Fluss. Hinunterschwemmen, alles abschwimmen. Sich neu formieren, mit Gelassenheit imprägnieren. 

Da sind die Schwäne mit ihrem phänomenalen Bruterfolg: Alle fünf Jungen haben sie durchgebracht, sie sind schon mitten im Flugtraining. Flugmuskulatur kräftigen, anlaufen auf dem Wasser; noch heben sie nicht ganz ab. Aber unter den Flügeln sind sie bereits weiß. Sie müssen fliegen lernen, weil das tarnende Grau von ihnen weicht. Es geht alles seinen Gang, fliegt seinen Flug. Tut das wohl, den Schwänen zuzusehen!Die Welt besteht zugleich auch aus Aufbauendem, nicht nur aus Absterbendem oder mit Mühe seine Höhe Haltendem.

Werden Schwäne, wenn sie alt sind und das Fliegen beschwerlich wird, wieder grau, so wie die Menschen?



Expedition (1) Donnerstag, 10. 9. 2020, 0:00

Aufsichtsservice am frühen Morgen, die Mama ist beim Zahnarzt heute die erste, wegen der Abdrucke für die dringend überfälligen Prothesen. 

Papas Anziehen zieht sich. Unterhose, linkes Bein, Unterhose, rechtes Bein. Kurz verweilen. Hinstellen zum Sockenanziehen, jeder einzelne Socken bedeutet mühsames Bücken, der rechte ist der zähere, aber zäh auch der linke. Rasten. Jetzt die Hose, die neue Kurze (die Obrochane). Hemd, rechter Ärmel, Hemd, linker Ärmel (der blöde).

Alles braucht seine Zeit. Und bekommt sie. Auch das Kaffeewasser im Wasserkocher wird zubereitet, als handle es sich um ein komplexes Laborexperiment. Ist es.

Alt sein ist eine große Expedition. Die größte, wen es selbst betrifft. 



Allerheiligstes (7) Mittwoch, 9. 9. 2020, 0:00

Beim Belenus!
Anrufung (veraltet)

Niemandem fiele heutztage ein, irgendwelche antiken Götter anzubeten, obwohl diese wiederum, zu ihrer Zeit, die vorangegangenen alt aussehen ließen. 



Allerheiligstes (6) Dienstag, 8. 9. 2020, 0:00

Ich staune über die Kirchengelehrten, die sich – in unseren Tagen! – über derart Allerheiligstes so ernsthaftigst gelehrteste Gedanken machen. Am meisten über die, die ich als vernünftige und lebenspraktisch höchst fähige Menschen kennenlernen durfte, mit einigen bin ich sogar befreundet. Diese Zaubersphäre, die sie zuzulassen in der Lage sind, dieweil sie ansonsten – oftmals brillant! – mit beiden Beinen auf der Erde stehen.

Es gibt die Metapher vom Blinden Fleck, den jemand hat, etwas, das jemand geflissentlich übersieht (übersehen muss!), damit sein Lebenskonstrukt funktioniert und nicht zusammenbricht. Vielleicht muss man den Zauberkern der Religion als Blinden Fleck bezeichnen; den man hier aber nicht übersieht, sondern, ganz im Gegenteil, aufs hellste bestrahlt, sodass man meint, er leuchte leuchtend wie der Morgenstern von selber, sodass er (dieser Blinde Fleck) zugleich das Hypo- und Epizentrum des Gesamtsystems darstellt. Von da aus ist alles weitere Emanation einer scholastischen Fingerübung. 

Was jedoch übersehen wird: Ganz im Zentrum ist ein Schwarzes Loch.



Allerheiligstes (5) Montag, 7. 9. 2020, 0:00

Es kann als gesichert gelten, dass berufene Gelehrteninstanzen diese Allerheiligsten Dinge erschöpfend durchdekliniert haben. Mein wie naives Fragen hier ist nichts als ein Verweis auf meine peinliche Ungelehrtheit in Sanctissimis. Es sei keinesfalls als blasphemische Lustigmacherei zu verstehen. Da nun bei allen Glaubenssystemen ihre inwendig logische Folgerichtigkeit fasziniert und mir das christliche, im speziellen das katholische, aus einer einmal bis zu einem gewissen Grad erlangten Innensicht vertraut ist, staune ich hier umso mehr, und erst nach Jahren einer irgendwie fröhlichmachenden Distanzierung erscheinen mir gewisse Dinge als zunehmend skurril, lassen mich den Kopf schütteln, wie Menschen all diese merkwürdigen Verschwurbelungen glauben können, glauben wollen. 

Einst mussten sie. Dran glauben. Immerhin, ein Fortschritt; der jedoch nur an der heutzutage hierzuweltgegends fehlenden Durchsetzungsmacht hängt, was ein dünner Faden binnen kurzem sein könnte.



Allerheiligstes (4) Sonntag, 6. 9. 2020, 0:00

Allerheiligstes. Überhaupt: Was für ein Begriff. Genügte nicht ›Heiligstes‹, ja, einfach: ›Heiliges‹? Oder sagen sie nur in Österreich so? Weil etwas in Österreich ja nicht verboten ist, wenn etwas ›verboten‹ ist, auch nicht, wenn etwas ›streng verboten‹ ist, allenfalls, wenn etwas ›strengstens verboten‹ ist und ganz sicher erst, wenn etwas mit ›Strengstens verboten! Jeder Missbrauch wird bestraft!‹ verboten ist.



Allerheiligstes (3) Samstag, 5. 9. 2020, 0:00

Betrachten wir nun das zerbetete, ablaufende Allerheiligste um 21.44, an dessen Statt das frischere Allerheiligste um 21.45 eingesetzt wird, so ist das neue Allerheiligste gewissermaßen als Allerheiligsteres zu klassifizieren und das einen Tag hindurch zerbetete lediglich als Allerheiligstes. Weitere Superlative müssen sich folgerichtig anschließen: Allerallerheiligstestes und so weiter, irgendwann kommen arabische, römische Ziffern dran, und bald Potenzierungen. Das ist die Lösung. 

Zahlen gibt es, die sind größer als die Gesamtzahl der Atome im Universum, und nicht nur in diesem. Irgendwie hat das was Homöopatholgisches. 

Man kann sich das gar nicht richtig vorstellen.



Allerheiligstes (2) Freitag, 4. 9. 2020, 0:00

Wie ist das mit dem Ablauf vom Allerheiligsten? Hat das Allerheiligste ein Allerheiligstes Ablaufdatum? Ist es etwa nach einem Tag Anbetung zerbetet? Kann einem Allerheiligsten eine solche Zerbetung überhaupt etwas anhaben? Wäre das nicht ein Hinweis auf eine Gar-nicht-so-Allerheiligstkeit?



Allerheiligstes (1) Donnerstag, 3. 9. 2020, 0:00

Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Ceremonie.
Franz Kafka

Aufnehmen im – (beinahe) leeren – Dom, solange es geht. Um zehn machen sie zu. Hinten beim Seitenaltar ist die Ständige Anbetung des Ausgesetzten Allerheiligsten. Jeden Abend um dreiviertel zehn wird es ausgetauscht gegen das Allerheiligste vom kommenden Tag. Die Aussetzungsanbetenden beten wechselweise mit dem Allerheiligstenaussetzer ihre Anbetungsformeln, es ist das weltumspannend vertraute Call-And-Response-Schema, und es dringt, nicht unangenehm, nach vorne als wabernder Litaneibrei, sodass es Teil des Stücks wird, das ich ins Hauptschiff spiele.



Zentraldilemma Mittwoch, 2. 9. 2020, 0:00

Was an Wahrheit gerettet wird auf dieser Welt, wird an Magischem eingebüßt. 
Albert Vigoleis Thelen

Was waren wir enttäuscht, als uns der Onkel zeigte, wie er es anstellte, dass er den Daumen eben nicht in die Faust abgerissen und von dort in die Luft weggezaubert hatte. 

Anders gesagt: Früher war mehr Lametta. 



Haydnarbeit (2) Dienstag, 1. 9. 2020, 0:00

Die Schöpfung ist übrigens – entgegen anderslautenden Behauptungen – von Haydn und van Swieten. Das Libretto bezieht sehr alte Quellen ein, die sich aus Menschheitserzählungen nähren, deren Sachgehalt leider (besser: zum Glück; Gottseidank hier wäre wenig angebracht) als de facto in keiner Weise wissenschaftlich belastbar gelten muss.

Von wem also die so wunderbar besungene Gesamtschöpfung sei, ja, ob es so etwas überhaupt geben könne, kann nach wie vor nicht gesagt werden. 

Soviel ist sicher.



Haydnarbeit (1) Montag, 31. 8. 2020, 0:00

Nomen est aut non est omen: Man kann nicht vom Namen auf die Funktion, gar die sinngemäße Ausfüllung einer Funktion schließen: Es gibt einen demokratisch legitimierten Landeshauptmann mit Namen Kaiser. Ein Erzbischof und Kardinal hieß König. (…)

Ob man einem mit Namen Haydn ein hohes Kirchenamt übergeben würde? Vermutlich ja, wenn die sonstigen (die eigentlichen) Bedingungen erfüllt sind. Und doch, man würde meinen, dass man einem mit Namen Haydn besser irgendetwas Verantwortungsvolles im Bereich Kunst, Musik gar, anvertrauen können sollen müsste. Steuerberater? Warum nicht? Steuerberater für Komponisten. Warum nicht?

Wir haben nun das Ende vom August erreicht. Deswegen muss der Text hier abbrec



blümerant Sonntag, 30. 8. 2020, 0:00

Ausrechnen … abrechnen … wer ist überhaupt zurechnungsfähig? Abrechnungsfähig?

Manches, das leicht auszurechnen wäre, ist auf den zweiten Blick doch nicht so leicht auszurechnen, abzurechnen gar. Wer ist wem zuzurechnen?

(…?…)

Meinen Einstieg in die persönliche Künstlerei hat als zuständiger Minister Rudolf Scholten begleitet, und zwar wirklich und irgendwie nahbar, tatsächlich persönlich: Es hat vorkommen können, dass er bei einem Konzert aufgetaucht ist. In jener Zeit fand ich auch meinen Steuerberater. Er ist mir bis Blümel treu geblieben und hat sich dann in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. 

Es gibt unter Steuerberatern erfreulich viele Scholtens. Den größeren, glatteren, bewährte Kanzleien aufkaufenden hingegen eignet oftmals etwas bestürzend Blümelhaftes.

Ich muss mich übergeben.



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