Lauteres Klingen Dienstag, 26. 5. 2020, 0:00

Mir schupft es das Blut eimerweise durch den Körper
Andreas Okopenko

Du spielst ein kleines Motiv, variierst es sinnreich, addierst deinem frühlingshaften Florilegium einen wohlklingenden Gedanken. Da passiert dir eine kleine, völlig unbedeutende Unreinheit im Ton, ein leichtes Bröseln, eine Bindung gerät etwas holprig und das Intervall ist nicht so sauber, wie du es gerne gehabt hättest und es jedenfalls sein müsste: Fehler! Um zu kaschieren, wiederholst du ihn, sie!, wörtlich, sinngemäß, in Paraphrasen, so gut es geht. Dadurch erscheint jetzt alles Erklungene wie genau so gewollt: ›Wenn du einen Fehler machst, wiederhole ihn dreimal, dann ist er richtig.‹ Diese Strategie hat als unfreiwillig verinnerlichtes Erbe der einst mehr durchlittenen Schule des Jazz in dein Spiel hineingewirkt, fein marmoriert, manchesmal auch gröber: nicht jeder hat immer das Zeug zum Kobe-Rind, und wer täte einen auch dreimal täglich wohlig und zielführend massieren, zu wessen Vorteil, der vom persönlichen Jenseits her jedenfalls anderen schmeckt?!

Beim Weiterspielen passierst du zusätzliche Unebenheiten, regelrechte Schlaglöcher klaffen auf, üble Patzer passieren. Derart steckst du mitten im dich beim Tun zunehmend abschätziger Kritisieren, gleich von allem Anfang an war es das erschreckend wohlbegründet befürchtete ausufernde Schlamassel! Nichtswürdiger du, nüchtern besehen hast du nie noch im mindesten einen klar artikulierten, korrekt intonierten Ton hervorgebracht! … Die immer verzweifelteren Rechtfertigungsaffirmationen überwuchern, umklammern jedes zarte melodische Rinnsal, wie du es möglicherweise intendieren würdest, kanalisieren es unter die Erde, ein trauriger Wienfluss dem gleichermaßen avitalen Donaukanal zu, Rattenzone im besten Fall. Bereits der erste Schritt brachte dich vom Weg aller Tugend ab. Sich verselbständigender Bestemm ist der Höllenweg zu polterndem Populismus unseligster Art. Es ist ein großes Glück für die Menschheit, dass unsereins fast nie irgendein hochrangiges öffentliches Amt zu bekleiden bekommt! Mea culpa! Mea culpa!

Derart in selbstdestruktiven Zwangsgedanken eingesponnen klingt indes draußen dein Spiel fort, es verhallt, der Meister der Aufnahme zeigt mit beiden Daumen nach oben, und du kannst dir nicht vorstellen, was er damit andeuten könnte. Was ist geschehen?

(Soviel zur gerne propagierten Mär vom achso lauteren, seelenreinen und aller Absichten frischfreien Sein im Spiel; womit ich nichts weniger als die Weltherrschaft anstrebe. Sie werden sich noch wundern!)

[14.5.2020]

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