enigma, heißkalt 1.12.2008, 0:00

derhamhmichts
thomas bernhard, frost (1963)
suhrkamp taschenbuch 47, erste auflage 1972, seite 128

bei diesem wort (wort?! – ein wortungetüm, wie ein katafalk, wars) angelangt, konnte er in der sauna endgültig nicht mehr weiterlesen. kalter krematoriumsschweiß schoss aus seinen poren, nur hinaus, schnell hinaus.
wie zur bestätigung kamen genau in diesem moment acht alte männer herein, graubrustbehaarte alemannenmännchen, nahe am austrocknen schon alle, vor dem eintreten dem antreten zur angeblich freiwillig erzwungenen dunstaktiven passivität schon ausgedörrte zwetschkenkramperln alle, und sie schwätzten, wie esch sich gehört.
und am himmel, der an nichts grenzt, also nicht ist, kehrten die saatkrähen heim von ihrer tagesarbeit zu den rheinauen.



abgabengedanken 30.11.2008, 0:00

bahnhof mürzzuschlag, ganz vorne (oder, je nachdem, ganz hinten, ja, hinten passt besser): ob wohl der aufpreis, den man bei inanspruchnahme des spätschalters ganz sicher zu entrichten haben würde, namensgebend für die stadt wurde? – affirmierend schien es allemal. und, viceversa, der spätschalterwalter hatte, auf die stationsbezeichnung verweisend, alle argumente für einen aufpreis, und selber konnte er ja nichts dafür, eigentlich blieb ihm ja überhaupt gar nichts anderes übrig und über schon überhaupt nicht.



staccato quasi legato 29.11.2008, 0:00

jonglieren (mit keulen, bällen, motorsägen), stroboskopisches aufgliedern der bewegung für das vierundzwanzigstelsekundenträge auge des betrachters, zerhacken oder zersägen, kettengetrieben, mit weltrekord, versteht sich, und gibt es irgendeinen weltrekord, der nicht unverzichtbar ganzundgar unverzichtbar wäre, wäre das nicht schon wieder eine eigene weltrekordkategorie, eben.
die liebe heißt es liegt im auge des betrachters, und das ist träge, wie gesagt bzw. gesägt bzw. zerhackt, zerhäckselt.
wer hat, weltrekord, eigentlich das trägste auge? welches chamäleon, welches auge? dasjenige, welches in die zukunft oder dasjenige, welches in die vergangenheit lugt? (man vergesse nicht, die explosive zunge zu beachten!)
flieg weg, fliege, zackzack!



albin (2) 28.11.2008, 0:00

später dann, als richtiger mann, spielte er, der selbst beim färbetest von blendax antibelag stets tadellos weiße zähne gehabt hatte, haben hatte müssen, mit all diesen buben von der straße, echte sioux alle. bei ihm aber, bei aller zustimmung seitens seiner weißen eltern und elternfreunde, reichte es nicht einmal zum winnetou, der waterloo war sein maximum. selbstredend versicherten ihm die echten reservatindianer, dass er keinerlei weißen akzent habe, was natürlich ein besonders schmerzhafter stich unter die fingernägel war, aber er wollte es selbst wider besseres wissen so gerne bei sich glauben, uije auweh, und das klang jetzt aber wirklich indianerisch echt oder.
authentizitätsvampir.



albin (1) 27.11.2008, 0:00

der sohn aus der weißen siedlung, er wollte so ein richtiger bub sein, von den anderen schulbuben als einer der ihren anerkannt. wie aber die drei knaben (und seien sie von bergman inszeniert, als wären sie echte oliver twists) selbst zu dritt nieundnimmer ein, nicht einmal eindrittel lönnebergamichel werden können, bei aller zaubermacht, über die sie vermittelt verfügen mögen, konnte ihm das eo ipso gar nicht gelingen. und von pippi gar, ich bitt‘ sie, da war er, erdumrundungsweitweg, mehrmals.
dreck, echten, ehrlichen nämlich, kannst du dir nicht aufmani- und pediküren lassen, noch so strubbelig einfrisieren auch nicht, und die öl- und russflecken im gesicht, wie sie klempnern (kein installateur ist da drunter), rauchfangkehrern oder mechanikern in minimalhandlungspornos wie beim kinderfasching den beinah echten indianerkindern aufgemalt werden, was haben denn die mit der tatsächlichen lebenswelt zu tun oder?
obwohl, wer weiß, und die hoffnung auf abenteuer verkaufen sie ja auch damit mit.



spätfrühherbstliches (2) 26.11.2008, 0:00

von den ersten früchten des herbstes schrieb er, der so freundliche kollege, den es verschlug, wenn er verreiste.
sind es aber nicht die früchte des sommers, oder, noch eher, die des frühlings? oder wie ist das? wer macht jetzt die früchte? bäume, sträucher, die fleißigen bienen, der fruchtbare ackerboden, die wärmende sonne, der lebenspendende regen? (du schenkst uns den wein, die frucht des weinstocks und der menschlichen arbeit. sagt die hl. kirche – du, das ist ein gepriesener gott, und – uns, das sind die katholiken; alle anderen, auch die protestanten, jawoll, müssen nämlich zahlen.)
ihm war das allzu verwirrend aufeimal, es verschlug ihm die sprache.
vorerst und bis auf weiteres. undaber geschenkt wollte er schon gar nichts, soviel war sicher. vorerst und bis auf weiteres, jawohl.



spätfrühherbstliches (1) 25.11.2008, 0:00

die beilage zum bücherherbst, wie sich die rezensenten zu ihren letzten sätzen aufschwingen (vergeblich, sträuße sind sie, emus, pinguine), sich abmühen, das zündende prägnante originelle verdictum aus sich herauszupressen, auf dass sie, vom glanz des schaffens gestreift, wenigstens auf der schutzumschlaghülle vorkommen, mit viel traurigem glück.
wimmerlausdrucken, widerliches.
(uneitles infiziertes interesse, das wärs; wsd, du fehlst schon sehr.)



schnurgerade 24.11.2008, 0:00

man sollte ein gesetz gegen unglücklich endende romane erlassen!
charles darwin, mein leben

da es sich bei einem solchen gesetz (jenseits eines survival of the fittest – überleben der im fitnessstudio carotingebraunorangten?) ganz sicher um ein bundesverfassungsgesetz handeln müsste, konnte es unlängst im südstaat nicht schlagend werden. und, achja, wenn die haifische menschen wären, aber das sind ja keine romane, wie überhaupt nabelland österreich keine romane, epen gar, hervorbringt, nicht einmal schrott, nein, seifenopern, besser: telenovelas sind das, allerhöchstens, es darf geschmachtet werden, und gegen kabarettisten wehrn ma mir sich uns mit fisische mittln, eine deutschösterreichische knochenbrechschau.

nabokov, demiurg schön-böser welten, auf deren pfaden wir uns mit so viel freude verlaufen, du fehlst, längst schon, erst recht hier und jetzt. oder zumindest borges.
(todesschweizer, beide.)



kaltschweißen 23.11.2008, 0:00

in die sauna gehen, frost lesen und erst beim zuklappen der bernhardesk-pikanten koinzidenz innewerden.

brrr.



nicht umdrehen! 22.11.2008, 0:00

wie ja überhaupt die zahl der toten rückläufig ist, nicht nur jene der straße, auch krebs, liegestütz, hodenverdrehung und sonstiges. es werden immer weniger.
eris quod sum – ein spruch dreht sich um.

hhhuch!



jungbrunnen, helvetisch 21.11.2008, 0:00

in der schweiz, in der schweiz werden, haben sie im radio dort gesagt, gewarnt haben sie, im radio, in der schweiz werden vor allem die mädchen, vor allem jene, die sich für markenprodukte (komplette sätze, ersttag?) interessieren, immer jünger.
das mittel zur ewigen jugend, die basler philatelisten habens gefunden!



braindowngrade, all inclusive 20.11.2008, 0:00

tourneestehtag, auszulebende, endlich zu ihrem recht kommende trägheit, also liegedienst im hotel, leerlauf, auf vollen touren. die bereitschaft und das mit jeder fernbedienerrunde  wachsende verzweifelnde verlangen, doch irgendetwas zu finden, für das man sich, mit etwas gutem willen, interessieren könnte, vergebens.
anstrengend.



nabelland, unabsehbar 19.11.2008, 0:00

5. november 2008. amerika hat gewählt. unmittelbarste und schmerzhafteste folge fürs österreich an diesem morgen: das beliebte wetterpanorama (via 3sat in alle welt ausgestrahlt) fällt aus.
wo das noch hinführen mag? oder, wie der mondgesichtbürger klaus emmerich sagt: von so einem land will ich mich nicht reagieren lassen, es ist so, als würde der halbmond aufn steffl (nicht das kaufhaus) montiert. o du heilige weisheit!



kuzi kuzi (liegeesssorgfalt, mangelnde) 18.11.2008, 0:00

zu vermeiden sei, im schweizer bett liegend, thomas bernhard (eine herzlungenkrankengeschichte, wie immer) lesend, mangelnd konzentriert ein sackerl migrosnussmix zu knabbern. der hustanfall besorgt, wie stets, unendlich lang, bald erscheint unvorstellbar, er könne je vorbei sein, während gleichzeitig ohne jeden zweifel (und naturgemäß) das platzen der schläfen oder zumindest der regelrechte aortaabriss bevorsteht.



trockenfolge 17.11.2008, 0:00

seit ein paar wochen, er wunderte sich, warum er nicht früher draufgekommen war, hatte er im badezimmer eine badetuchfruchtwechselwirtschaft etabliert, links vom bügel nehmen, rechts hinhängen, so kam jedes rotfrottee alle drei tage dran. die in einer schulgemäßen brache (welchen badezimmergroßtrappen das die ökologisch erforderlichen brut- und nahrungsflächen bieten würde?) verlangte lufttrocknungszwischensaison konnte er bislang, beim besten willen, nicht übers herz bringen, obwohl: gesünder wärs ja, beim offenen fenster, der winter hätte kommen können.
der aber kam ohnehin ungefragt, ja, ungebeten.



on tour 16.11.2008, 0:00

unlängst, in moskau: gaddafi on tour, verkleidet als campinghandke, wer sonst als handke sollte das auch sein, noch dazu, wo sie sich nach getaner begegnungsarbeit die gleichwohl ewigjunge mireille mathieu angeschaut haben, inter den coulissen von paris, nicht weit von chaville ist das oder nicht.



europa, ältlich 15.11.2008, 0:00

einem schiff der (zivilen) vierwaldstätterseeflotte ist ein e abhanden gekommen. ob es seither gemächlicher tuckern darf? der fahrplan ist unerbittlich: abfahrt luzern 12.00 uhr punkt, rückkehr 13.48 uhr, pünktlich, was auch sonst.



zug ins innerste (2) 14.11.2008, 0:00

und zug soll ja schon zug geheißen haben, da hat es noch garkeinen zug nicht gegeben bzw. gehabt. auch zugposaunen hat es damals noch nicht gegeben. zugluft, gut, von zeit zu zeit, hochnebelverblasend nötig.



zug ins innerste (1) 13.11.2008, 0:00

vom unique zurich airport nach downtown switzerland, o du panisch weltläufige schweiz, wo sich alle auskennen, nur die schweizer verirren sich, dann aber, zürich hautbahnhof, bist du ihr doch, unvermittelt, gaanz nah, dringst, zürich enge tunnelrollig links liegenlassend, weiter vor, ins innere, ja, das innerste (die innereien) des inneren europa, völlig unterkellert alles, bald werden sie, nur noch ein kleiner schritt ists, die berge abtragen, bis auf die röhren, die schweiz ein einziger röhrenbau, erdmännchen und nickhäutige nacktmulle, als außenwelt genügen durchaus entzückende jodel- und kuhglockenprojektionen, so wollen wir uns wohlfühlen, und sicherer ist es sowieso so, jawohl, auch.



fischmaß 12.11.2008, 0:00

früher, früher da habe es noch forellen gegeben, wie ein ellenbogen, soo lang, sagt, zweifelsohne aufs korrekteste übersetzt, der fischer vom ohridsee im radio. keine wirklich optimistischen aussichten sind das am ältesten see europas, wirklich wahr.
(als wie lang dürfen wir uns eine ellenbogenlänge, gar eine forellenbogenlänge vorstellen? und knielange welse, wielange und wo gibt es noch diese delikatesse? und, enggeführt, erst elritzen, kniekurz?)



stadt, angemessen angepasst 11.11.2008, 0:00

zilk ist tot und mit einer traumleich pompfüneberisiert. auch bei ihm, dem guten populisten, hat gusenbauer eine bemerkenswert würdige rede gehalten (wärs eine joboption, nach der bundeskanzlerei?).
jetzt, wie soll es weitergehen? einen park, einen platz, eine straße nach ihm zu benennen? wie kleinformatig das doch wäre. mein vorschlag, und er wirkte in ganz wien, von 1 bis 23: nennt alle in wien hieb genannten verwaltungseinheiten doch gleich pauschal um. demnach wohne ich in döbling, dem 19. bezilk.



ausgebrannt 10.11.2008, 0:00

dieses vervielfachte lebensgemenschel!
individueller aufseufzer

und was der lebensmenschensohn in ihnen, den lebensangemenschten, tagtäglich unauffälligen, schläfern, ja, zum vorschein brachte, bringt. man sollte sie gesehen haben, die verzweiflung, mit der sie ihre hoffnung auf ihn setzten. setzen.
abpumpen.

und aus jetzt.



abspannen (3) still am see (3) 9.11.2008, 0:00

samstagmorgen, kaltsonne. die parallelität des staadschauens im gesichtsausdruck gackender hunde (weibal, mandal) und ihrer angeleinten lebensmenschen (herral, fraual), sichtbares und unsichtbares aus- und leerpressen von schläuchen.
still am see, abermals und immerdar.



abspannen (2) 8.11.2008, 0:00

spirit of linz
öbb-railjet-lokomotive (taurus, im fahrplanmäßigen streckeneinsatz ab dem winterfahrplan 2008/2009)

(nabumm!)



abspannen (1) 7.11.2008, 0:00

in linz müsste man gewesen sein!
helmut qualtinger, der menschheit würde ist in eure hand gegeben (temporär leicht adaptiert)

die sich ins schmerzhafte ins unerträglich schmerzhafte steigernde anspannung vor der sich verzögernden abfahrt deines einem verspäteten kollegenzug anschluss bietenden zuges, das atemlose stillsitzen beim durchgehen der sich in zufriedenheit beruhigenden neuen fahrgäste die wir herzlich begrüßen, die entspannung im beckenboden, wenn er, vielzuspät, langsam anrollt.



still am see (2) 6.11.2008, 0:00

und wenn der pyramidenkogel der vesuv wäre, wo läge dann sein pompeij? danach still am see, alles asche. jahrtausende später ausgrabungen, ausgießen von hohlräumen, mutmaßungen, theorien.



still am see (1) 5.11.2008, 0:00

schüttet öl (gesundes, mehrfach ungesättigtes) in den traunsee, im rückfangbereich, wo er fast schon ausrinnt, vorm hotel schwan, damit sie nicht so quietschen, die schwimmenden wintervögel, die gekommen sein müssen, während in europa die uhren stehengeblieben sind, unlängst, zwischen zwei und drei in der nacht. oder sind es kleine kläffer, die sie in ihre muskelmägen verschluckt haben?
bei licht besehen dann wird es, völlig unnötigerweise, still am see, schwarzer bims scheint auf der glatten oberfläche zu treiben. welcher vulkan sie wohl ausgespien haben mag, hier im süden vom norden? und hin und wieder flackert einer auf.



entseelt (3) 4.11.2008, 0:00

was tun planeten, denen man die sonne zum drumherumeiern vom himmel gerissen hat?
luftballons sind sie, deren gas, sie zu wirr furzendem herumflattern zwingend, beim einblasventil entweicht. eine entseelung.



entseelt (2) 3.11.2008, 0:00

auch der tod des cid ist legendär: in einem hinterhalt tödlich verwundet, nahm er seinen gefolgsleuten auf dem sterbebett das versprechen ab, den feind erneut anzugreifen. seinem wunsch entsprechend band man den sorgfältig geschminkten leichnam vor der schlacht in voller rüstung aufs pferd. (wikipedia)

von der straße abgekommen rasierte der hai eine thujenhecke, und das verhängnisvolle war, dass hinter dieser thujenhecke ein heimtückischer betonsockel war. nichts anderes als eine verschwörung, egal von wem.
man gelobte, seinen weg fortzsetzen, keinen millimeter abzuweichen. die hinterhältigen thujen, sie wurden verstärkt, das haus neu zu streichen in auftrag gegeben: blutorange, farbe des sonnenunterganges.



entseelt (1) 2.11.2008, 0:00

phaethon erbittet sich nun, für einen tag den sonnenwagen lenken zu dürfen. helios versucht, seinen sohn von diesem plan abzubringen. jedoch vergeblich. phaethon besteigt, als die nacht zu ende geht, den kostbaren und reich verzierten sonnenwagen des vaters. das viergespann rast los und gerät bald außer kontrolle. phaethon verlässt die tägliche fahrstrecke zwischen himmel und erde und löst eine katastrophe universalen ausmaßes aus. ovid berichtet: die erde geht in flammen auf, die höchsten gipfel zuerst, tiefe risse springen auf, und alle feuchtigkeit versiegt. die wiesen brennen zu weißer asche; die bäume werden mitsamt ihren blättern versengt, und das reife korn nährt selbst die es verzehrende flamme… große städte gehen mitsamt ihren mauern unter, und die ungeheure feuersbrunst verwandelt ganze völker zu asche.

erst zeus, von der mutter erde um hilfe gerufen, bereitet dem chaos ein ende und schleudert einen blitz. der wagen wird zertrümmert und der wagenlenker phaethon stürzt in die tiefe.  (wikipedia)

wie im anfang, so im ende: es hat sich alles um ihn gedreht: der hai, inversphaethon mit vorgezogener weltenbrandentfachung, und die welt ist immer so groß wie der karawankende horizont seiner – rechtmäßigen – bewohner.



santo subito 1.11.2008, 0:00

der hai der hai der hai
der hai der hailige hai

zeitgemäße fortentwicklung eines mantras, den gläubigern anempfohlen (für allerhailigen)



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