mühlsam 14.4.2021, 0:00

»Die Mühlen der Ebene« habe ich verstanden, wie ich dieses Sprachbild zum ersten Mal gehört habe. Es leuchtete augenblicklich ein, weil in der Ebene, wenn ein Bächlein nur mehr zäh dahinrinnt, kein Gefälle weit und breit, wird es allerdings mühsam, fast unmöglich, so ein schweres Mühlrad anzutreiben.

Am Ramingbach, ziemlich genau in der Mitte zwischen Kleinraming und Steyr, befindet sich die Bambergermühle, eine Kunstmühle, denn korrekterweise liegt sie nicht am, sondern nur beim Ramingbach. Bei der Bambergamüü hat sich meine Mutter immer das Mehl geholt, etwas, das in den Siebziger Jahren eigentlich nicht mehr üblich war, hat es doch längst den Rimnac (Spar) und auch den Konsum gegeben, der hat niemandem persönlich (gesagt haben sie: uns allen) gehört. Die Siebziger waren ja die Hochzeit des Konsums. Mama aber hat sich beharrlich zur Mühle bringen lassen, und viel später erst glaube ich, ihr auf die Schliche gekommen zu sein, warum sie immer wenigstens ein Stück in die Raming wollte: Waren sie doch im Krieg, bevor die Wohnungen im Münichholz fertig waren, weiter drinnen einquartiert als junge Familie, direkt am Ramingbach. Später waren sie dann dahamdraußtn in Waidmannsfeld evakuiert und haben spielerisch das Pfeifen der über ihren Köpfen ausgeklinkten Bomben für Wiener Neustadt imitiert. Bald danach war der Krieg aus, aber nicht vorbei. 

Damit es mir niemand verwechselt: Bei der Ortstafel von Steyr, das ist die Greamüü, Griehmühle, vielleicht bedeutet es Grüne Mühle, Grünmühle, ich weiß nicht. Dass dort das Zollamt untergebracht war, konnte ich nicht recht verstehen, Steyr, so weit von der Grenze. Der Ramingbach war seit jeher Grenzbach, seinerzeit zur russischen Zone, und in meiner Kindheit haben sie bei jedem Brückerl mit sonderbar braun angefeuchteten Sägespänen einen Seuchenteppich zwischen Nieder- und Oberösterreich ausgebreitet, Maul- und Klauenseuche. 

Rauschen tut der Ramingbach auf seinen letzten Kilometern nicht mehr, und wenn, dann geht er über. 

Die Kindheit wächst im Hohen Alter.



Heraus! Heraus! 12.4.2021, 0:00

Der Mai ist kommen
der Winter ist aus!
Wilhelm Müller

Der hoffentlich irgendwann einmal hinter uns gelassene Winter 2020/21 verhält sich wie diese vermaledeite Coronaseuche: Auch er sollte schon dringend aus sein, da, in der Nachspielzeit, kommt er mit heimtückischen Mutationen und Varianten daher, bis weit in Richtung Mai, wie’s ausschaut.



supernormal abgefüllt 5.4.2021, 0:00

Faßmann: Ab 11. April normaler Schulbetrieb mit Einschränkungen
kurier.at

Ein ehrliches Wort: Mit Einschränkungen ist das neue Normal.

Wird Bildung hierzulande in Austro-Barrels gemessen und zugeteilt?

Normalerweise ist für alle was da.



Verschrottungsnotiz 22.3.2021, 0:00

›Sissi‹-Kutsche kommt unter den Hammer
orfon

Handelt es sich auch lediglich um die Filmkutsche von Romy Schneider und Karlheinz Böhm, so würde man doch gerne annehmen, dass ein derart sentimentalisch belegtes Objekt unter besonderem Denkmalschutz stünde. Ist uns doch jede Verfilmung tausendmal lieber als sämtliche (stets der breiten Masse unerreichbare) Originale. 

Man nennt eine solche Einstellung eine demokratische. 



Auf Kur 18.3.2021, 0:00

Durch die Mutationen werden die Patienten im Spital immer jünger
zeitgemäße journalistische Auskunft

Je älter wir sind, umso gefährdeter sind wir, einem uns günstig erscheinenden möglichen Fehlschluss aufzusitzen. Obacht also: Die insinuierten Mutationen machen einen nämlich nur jünger im Sinne des final erreichbaren absoluten Lebensalters. Abgerechnet wird nämlich am Schluss, von anderen. Wer früher stirbt ist länger tot, und keiner geht ins Spital und kommt jünger heraus, so ein Blödsinn aber auch.

Aber vermutlich ist da ohnehin eine einzige Große Verschwörung dahinter. Ganz sicher.



Parallelverschiebung 14.3.2021, 0:00

Und braucht man keine Klempner mehr
na dann werd’ ich halt Installateur 

Reinhard Mey

Weniger rechtsextreme Straftaten, dafür mehr rassistische
orfon

Falls es beim Arbeitsmarktservice (AMS) eine einschlägige Umschulung gibt, so ließe sich konstatieren: Sie greift. Ist aber wohl ein kurzer Kurs, eher ein Aufbaumodul, nur ein paar Vokabel. 

Wer zahlt? Wieviel?

Wer zählt? Wieviel?

Wo wollen wir uns anstellen? 



Wortlicht 7.3.2021, 0:00

findend, ein stück
personen
   suchend
   findend

ernst jandl

Ähnlich der sagenumwobenen Dunklen Materie gibt es wesentlich mehr Worte nicht, als die, die es gibt. So viele Wortgelegenheiten versickern ungenützt. Nehmen wir irgendein beliebiges Wort her und deklinieren wir es gewissermaßen durch, von A bis Z. 

Zum Beispiel Senf: Aenf – Benf – Cenf – Denf – Eenf – Fenf – Genf – Henf – Ienf – Jenf – Kenf – Lenf – Menf – Nenf – Oenf – Penf – Quenf – Renf – Senf – Tenf – Uenf – Venf – Wenf – Xenf – Yenf – Zenf: Es bleibet lediglich Senf aus Genf, nicht mehr als ein Reimpaar für schlichtere Gastropoeten; Kenner wissen: Der Senf kommt aus Dijon, und das liegt gut 200 km nordwestlich der so calvinistisch-frugalen Metropole.

Oder Hammer: Aammer – Bammer – Cammer – Dammer – Eammer – Fammer – Gammer – Hammer – Iammer – Jammer – Kammer – Lammer – Mammer – Nammer – Oammer – Pammer – Quammer – Rammer – Sammer – Tammer – Uammer – Vammer – Wammer – Xammer – Yammer – Zammer: Ein paar Lichte Worte mehr, dennoch, die Dunkle Wortmaterie überwiegt, bei weitem.

Eines noch, Lampe: Aampe, Bampe, Campe, Dampe, Eampe, Fampe, Gampe, Hampe, Iampe, Jampe, Kampe, Lampe, Mampe, Nampe, Oampe, Pampe, Quampe, Rampe, Sampe, Tampe, Uampe, Vampe, Wampe, Xampe, Yampe, Zampe.

Wir wissen nun, wonach wir zu suchen haben.



Mit Putz und Stingl 5.3.2021, 0:00

Die Ergebnisse (der Umfrage, Anm.) sind nicht repräsentativ, da Frauen und Akademiker über-, Jugendliche und Ältere hingegen unterrepräsentiert sind.
orfon 

Befragt wurden vor allem akademische Frauen. Mit den jugendlichen Älteren hingegen hat es gehörig gehapert. Wo sind die alle hin, verdammt noch mal?

(Wurden wohl alle von Versicherungs- und Autowerbespots aufgesogen.)



karottengefährlich 3.3.2021, 0:00

… Kultur eher nicht
Einschätzung zur Lage, nasvorangetragen

Österreich, Kulturnation seit eh und je: Wir bleiben kulturverliebt, und wer verliebt ist, dem ist, weil meschugge, nicht über den Weg zu trauen.

Kulturverheiratet, das wäre dann wohl sicherer: wunschlos glücklich.

(Moment, das sind wir doch!)



sub specie aeternitatis 17.2.2021, 0:00

Fernwäremeleitung in Jena läuft nach Havarie wieder
orfon

Was es da zu berichten gebe, denkt man sich spontan: Vor der Havarie ist die Fernwäremeleitung in Jena doch auch gelaufen. Bleibt nur der beide Ewigkeiten für einen unbedeutend kurzen Zeitraum unterbrechende und zugleich verbindende Moment, da die Fernwäremeleitung in Jena, havariert, nicht gelaufen und nutzlos in der Landschaft gestanden ist.

Es ist so, wie die beiden Ewigkeiten, da wir nicht existieren, von unserer individuellen Lebensspanne für die Dauer eines Blitzes unterbrochen werden. Eine solche Spanne lang nun war es in Jena kalt. Dann ward es wieder warm.

In Jena gibt es einen Bahnhof, der heißt Paradies.

(Dies zum heutigen Aschermittwoch.)



abziehend 14.2.2021, 0:00

Indiz für endgültige Trennung? Kanye West zieht mit seinen 500 Paar Schuhen aus
kurier.at

Ich gehe!
geläufige letzte Worte

Was ist denn, bitte, heutzutage schon endgültig? Indiz für eine lediglich relative Endgültigkeit ist die kolportierte Anzahl der Schuhe (1.000, für Kopfrechner) von Herrn West. Da kann er immer noch einen in der Tür lassen. Und da es sich wohl um ein mehrzimmeriges Heim handeln dürfte, kann er damit bequem etliche weitere Türen unverschlossen halten. Und mehr alswie ein Paar Schuhe kann sowieso kaum ein Zweibeiner zugleich anziehen.

Soviel zum Valentinstag. Es ist der 60. Hochzeitstag meiner Eltern. Und wenn man Papa, der das nicht mehr reflektiert, darauf hinweist, dann staunt er, mit großen Augen.

(Das Staunen bleibt.)



irrevisibel 4.2.2021, 0:00

Heidi Klum auf ungesehenem Foto aus Jugendtagen kaum wiederzuerkennen
kurier.at

(…) der braucht nimma kemma, den fotografier i auswendig
Karl Valentin, Im Fotoatelier

Wie sieht man einem Foto seine Ungesehenheit an? Ein Bild, das sich einem womöglich eingeprägt hat, lässt sich nicht mehr ungesehen machen, und wegdenken schon gar nicht.

Kann sein, es gibt zu viele Bilder, vor allem solche, auf denen man kaum wiederzuerkennen ist. Die alte Binsenweisheit: Je älter das Bild, umso jünger sind die darauf Abgebildeten. Erst recht, wenn wir es selber sind. Die Zeit wird kommen, da schaust du im Spiegel bereits jünger aus als du in Wirklichkeit bist.

Heutzutage geht ja alles so schnell.



Trauer um Brauer 27.1.2021, 0:00

(…) es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht.
Arik Brauer, veröffentlichte letzte Worte

Das Leben, das Davor, das Danach, es könnte so einfach sein. Derart aufs wesentliche zugeschnitten, ist es es.

Tiefe Verneigung hinein in die zweite Ewigkeit.



ehemalig 19.1.2021, 0:00

Alles ist eitel!
nach Gryphius nach Kohelet

put put put
Glücksvogerlherbeiruf (engl. Verb)

Die Ehe einer gewesenen Außenministerin hat, wie wir eben im Rahmen der Berichterstattung über einen Prozess erfahren mussten (man einigte sich, so ein Glück, außergerichtlich), kaum länger als die Funktionsperiode der damaligen Regierung – jetzt kommt das Verb! – gehalten. Das tut uns von Herzen leid, und noch mehr betrübt, dass, wie sich gezeigt hat, nicht einmal die stiftende Präsenz (nennen wir’s eine Patenschaft) des aufgrund einschlägiger beruflicher Erfahrung perfekt deutsch sprechenden russischen Präsidenten langjähriges (ewiges!) Glück zu gewähren vermochte. 

Finale Sicherheit gewähren allein bei Begräbnissen zelebrierende und/oder nekrologierende Höchste Würdenträger; man kümmere sich um sie beizeiten.



fahrenheitlich? 16.1.2021, 0:00

Beobachter rechneten – auch aufgrund der extrem niedrigen Temperaturen – mit einer geringen Wahlbeteiligung
orfon

Für wahre Demokratien (etwa, wie hier, kasachischen Zuschnitts) ließe sich eine prima Formel zur Wahlbeteiligung aufstellen, direkt vom Wetter abgeleitet. Pro Grad 100 Prozent, das wäre die Grundformel, die je nach Jahreszeit an der Skala verschoben wird. Es soll nicht zu kompliziert werden, deshalb scheint es für die Regierungspartei und ihren Vorsitzenden legitimationsmäßig empfehlenswert, sich eher im Sommer wählen zu lassen. Dabei wird strenge Obacht zu üben sein, damit nicht unglaubwürdige Ergebnisse herauskommen. Das begänne bei etwa 110 Grad. 

Ach, dieser Klimawandel!



angebrochen 12.1.2021, 0:00

›Last Christmas‹ erstmals an der Spitze britischer Charts
orfon, 2.1.2021

Die Letzten werden die Ersten sein
orig. Jesuswort, ca. 32 n. Chr.

Keine zweitausend Jahre nach der Bergpredigt ist es nun also soweit: Das Himmelreich bricht an. Und ein Wort, das im Englischen gefehlt hat (wir wussten’s bislang nicht, nun aber erkennen wir), muss schleunigst (rechtzeitig!) eingeführt werden: Allerlast. The (sprich: »ði:«) Allerlast.

Alles indes dauert noch.

Fortsetzung folgt. 

Gna-den-los.



Santi subito 8.1.2021, 0:00

Leopold Figl soll seliggesprochen werden 
vorweihnachtliche Agenturmeldung

Postulator im Prozess ist der lokal zuständige Bischof in St. Pölten, Schwarz mit Namen, was aber eher nach dem – wesenswichtigen! – Amt des Advocatus Diaboli klingt, zugleich war es dereinst die alleinseligmachende Nichtfarbe des selig Verewigten politischer Partei, nach der im Weltall Löcher benannt sind: Allein der Umstand, dass Figlselig Gründer der Schwarzen und Wiedergründer des insbesondere in Niederösterreich völlig überparteilichen Bauernbunds war, müsste schon als hinreichend für seine Kanonisierung angesehen werden.

Wobei, einen Hl. Leopold gibt es in Niederösterreich bereits, noch dazu als Landespatron. Man hätte also Bischof Schwarz besser nicht aus Kärnten hinwegloben sollen. Dort wäre ein Märtyrer sonder Art heiligzusprechen gewesen, per Subitosantoakklamation. 

Nun, dieses Zeitfenster scheint sich geschlossen zu haben.



noch besser 31.12.2020, 0:00

Es war ein gutes Jahr. 

Wieder wurden die zahllosen, vom Kameraauge meines Tablets heimtückisch aufgenommenen Videos, in denen man mich, als Hauptdarsteller meiner selbst explizite Filmchen betrachtend, heftig Hand an meine Mitte legen sehen kann, an sämtliche in meiner Adressdatei gespeicherte Kontakte nicht versendet, und das, obwohl ich nicht fristgerecht die 3.000 Dollar in Bitcoins bezahlt habe. 

Auch meine Festplatte (eig. die meines Computers) wurde nicht verschlüsselt, und auch hier habe ich nicht fristgerecht überwiesen, noch dazu unter Ignorieren der wahrlich horrenden Verzugszinsen.

Das Jahr hat so viele Möglichkeiten geboten. Ich kann jederzeit alle ennuyierten Singlefrauen mit Tagesfreizeit in der Nähe (Google weiß gottlob stets, wo ich mich befinde; ich weniger) kontaktieren. Egal wo ich gehe, es blinzeln mich alle permanent an, jedoch geht mir keine über Julia aus meiner Umgebung, die fast täglich mein Profil besucht: Mit ihr im Talon bin ich für alle Eventualitäten gerüstet, wenn die Singlefrauen dann doch keine Zeit haben sollten, was ja, obwohl in höchstem Maße unwahrscheinlich, immerhin passieren kann. 

In welcher Epoche war die Menschheit derart von einem Ring aus garantierten Sicherheiten umgeben wie der unsrigen? Ich sag’s ja: Es war ein gutes Jahr. Als nächstes nehme ich mir die Business-Opportunities vor, wie sie täglich hereintrudeln; das Investment Project von Herrn Mr. Richard Sun from Hong Kong erscheint mir am erfolgversprechendsten, es steht fifty-fifty, denn er hat außer mir nur Roger Jones angefragt, und he!, mit dem werde ich wohl noch fertigwerden! (Unter uns: Es geht um Mil-li-ar-den!)

Und auch den 5G-Chip, den mir Bill Gates bei der, wie sich herausgestellt hat, erfreulich nichtflächendeckenden angeblichen Testabstrichnahme mittels eines als Wattestäbchen getarnten Applikators in der Nasenhöhle verankern hat lassen, kletzl ich mir heute noch mit meinem inzwischen von mir gezielt wachsen haben lassenden Nagel am Kleinen Finger meiner linken Hand geschickt schraubschabend aus dem rechten Nasenloch. Was wird es denen krachen in ihren Wanzenkopfhörern! Von wegen, schickst du mir eine Ansichtskarte, wenn du oben bist? Nasenbohren ist Wi-der-stand!

Nächstes Jahr wird alles besser.

Noch einmal viel besser.



Haarende 24.12.2020, 0:00

Vor Weihnachten: Es könnte knapp werden mit dem Friseurtermin
kurier.at

Das nun also auch noch. Jetzt reicht’s aber wirklich end-gül-tig! Lediglich des Verfassers (mittlerweile recht dünne) Schicht disziplinierter Zivilisiertheit beim Niederschreiben und Freischalten eines Texteintrags in diesem historischen Diarium erspart den p.t. Lesenden einen Schwall touretteartig herausgeworfener Fäkal- und Genitalausdrücke. Damit Sie sich nicht (weiter) die Haare raufen müssen, machen Sie doch das letzte Türl auf in Ihrem Adventkalender, und siehe da: Wir haben wieder Zeit, ein ganzes Jahr!

Wieder Zeit, so lange Zeit, Zeit, so lange, bis Gras über die Sache gewachsen sein wird.

Wir harren der Dinge: Es ist immer vor Weihnachten. Außer eben heute.

(Es geht, generell, um gezielte Umnachtung.)



leb endig 21.12.2020, 0:00

Tot denn alles, alles tot
König Marke 

Soso, die kommende Pressesprecherin des Weißen Hauses will sich also insbesondere für die jungen Kinder stark machen. Wer will und wird dann bei unsereins alten Trotteln noch schwach werden? Indes, man wird uns dereinst auf Händen tragen. 

Im hohen Alter verkinden wir stark, und die Hoffnung stirbt zwar zuletzt aber schließlich doch.

Soviel ist sicher.



Parallelschwenk 18.12.2020, 0:00

Pertl verpasst Parallel-Podest knapp
orfon 

Schifahrer leben an sich in einer Parallelwelt. Schielende Schilegenden enden zwischen allen Stühlen, welche hier Stangen und Tore sind.

Absturz dräut: Auch die Expedition auf die beiden Gipfel des Mt. Kilimanjaro (ein Schwank) musste seinerzeit scheitern.



Pflegscharen 15.12.2020, 0:00

Arbeitslose werden zu Pflegern umgeschult
orfon

Die Großwetterlage (wirtschaftlich; human) ist ja, abgesehen von über billiges Lippenpathos hinausgehender tätiger Wertschätzung, gegenwärtig eher nicht eine den Pflegefachkräften Wind entgegenblasende, weshalb auch der Aktionspfeil eine unumkehrbare Vektorausrichtung verpasst bekommen hat müssen.

Die Umschulung auf Arbeitslose/r ist und bleibt jedoch mit Abstand die schwerste.



hochpotent 14.12.2020, 0:00

Biden: Klimaschutz mit Wermutstropfen 
orfon

Wir haben es immer gewusst: Oft einmal sind die kompliziertesten Probleme am einfachsten zu lösen. Nach dem Gordischen Knoten nun also der Bidensche Tropfen.

Wer mutig ist, gelangt zum Durchbruch! Dafür muss es zumindest drei Nobelpreise zugleich geben, genauer bedacht eigentlich alle (außer Literatur). Die Homöopathie hat also, in großem Maßstab, obsiegt! (Ein Wort mit derart biblischer Wucht ist hier gerade groß genug.) 

Zur Vorbereitung der liturgischen Gestaltung einer angemessen weihevollen Applikationszeremonie (des Tropfens, am Klima) werde fieberhafteste Geheimdiplomatie betrieben. Was (auch theoretisch!) nicht mit Verschwörungen irgendwelcher Art gleichzusetzen sei: Für diesmal sei mit zumindest passiver Kooperation aller einschlägig besorgten Bürger zu rechnen, wird weiters verlautet.



wunderwonder 8.12.2020, 0:00

Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!
Hofer

Tourismus hofft auf Weihnachtswunder
orfon

Jaja, schon gut. Hoffen dürfen sie, hoffen dürfen alle. Kann ja sein, dass sich manches fügt, so oder so. Es ist doch so viel möglich. Einschränkend eingeräumt werden muss allerdings, dass viele Wunder nur bis zu ihrer naturwissenschaftlichen Entzauberung als solche bestehen können:

Was an Wahrheit gerettet wird auf dieser Welt, wird an Magischem eingebüßt.
Albert Vigoleis Thelen

Anders gesagt: Wunder, Leute, Wunder gibt’s nicht!

(Wer dran glauben will: Bitte, gerne! – Es ist ja so viel möglich. Aber immer schön den Kausalitäten nach.)



Heidenchristen? 4.12.2020, 0:00

Hugin und Munin müssen jeden Tag
Über die Erde fliegen.
Ich [Odin] fürchte, dass Hugin nicht nach Hause kehrt;
Doch sorg ich mehr um Munin.
Lieder-Edda (13. Jhdt.)

Seine Raben beide sandt’ er auf Reise:
kehrten die einst mit guter Kunde zurück,
dann noch einmal, zum letztenmal,
lächelte ewig der Gott.
Waltraute, in: Richard Wagner, Götterdämmerung (19. Jhdt.)

Fliegt heim, ihr Raben!
Richard Wagner, Götterdämmerung (19. Jhdt.)

Denken und sich erinnern, darum geht’s wohl grundlegend im Leben, und gegen Ende lässt beides, oftmals rasant, nach, das Denken vor allem, und nicht minder prekär das Erinnern (des Kurzvergangnen, nicht der frühen Jahre, an die das Vergessen bald wie täglich spiral sich beschleunigend herannagt).

»Denken« und »sich erinnern« ist auch die Bedeutung der Namen der beiden Odin/Wotan zugeordneten Raben Hugin und Mugin. … Was aber soll es nun bedeuten, dass auf dem Portal der brutalistischen Maria-Namen-Kirche in der Hasnerstraße, Wien-Ottakring ausgerechnet zwei Krähenvögel Wache halten? 

Was denkt sich Hugin, wessen erinnert sich Mugin? 

Gibt’s was zu denken oder zu erinnern? Dass just eine Gemeinde, die sich insbesondere der polnischen und spanischen Christen annimmt (beides keine traditionell unkatholischen Weltgegenden), sich derart heidnisch gebärden muss?



Wisser ’20 26.11.2020, 0:00

Was gibt es denn Langweiligeres, als im Reisebüro einen Abenteuerurlaub zu buchen, anstatt allein in die Wildnis zu gehen?
Xaver Bayer

Die Letten werden die Esten sein
Erstes Wiener Heimorgelorchester

Aber das Reisebüro ist doch die Wildnis! Man stelle nur einmal sommers sein Rad links vom Eissalon am Schwedenplatz ab, beziehe sein Eis (Haselnuss-Cremango) und äse eisessend die Auslage entlang. Ein einziges Abenteuer, vor allem in den Polargebieten!

Xaver Bayer, diesem Wisser, sollte das doch bekannt sein!



vorletztlich 19.11.2020, 0:00

We put the fun in funeral
Werbewahrspruch, Bestattung Wien

Sich etwas zuunterst auf die Todolist setzen
mau ambitionierter Vorsatz

Todolist. Wir wollen dieses überaus hässliche Wort einmal aussprechen, als wär’s dem Deutschen entstammend (vermutlich maskulin): Der Todolist. Es muss sich um einen ungenießbaren Pilz handeln, den Tod hat er schon in seinem Namen eingeschrieben. Wer vom Todolist gekostet hat, steht unter seiner Knute, lebenslang: eine irreversible Infektion.

Der alte Bialetti (der Erfinder; nicht sein Bub, der Vermarkter, der sich, also seine Asche, in einer Makro-Moka bestatten hat lassen) hat ihm (dem Todolisten) sein persönliches Schnippchen geschlagen und sein Leben, was die zeitliche Ausdehnung betrifft, voll (völlig!) ausgekostet: Geboren zu Neujahr, gestorben an einem Silvestertag. Für an einem ersten Jänner Geborene (und nur für die!) könnte es nun ein (tunlichst unverbissen) anzulegendes Spiel mit dem Tod sein, das mit exakt jedem ersten mitternächtlichen Pummerinschlag in seine einjährige Verlängerung zu gehen hat. Der Wichtigkeitszuordnungsvorschlag für diesen einigermaßen exklusiven Vorsatz ist oben abzulesen. Menschen gibt’s ja, die tun sowas. 

Interessant wäre, welches Vorhaben an der vorletzten Stelle dieses letztlich monströsen Mau-Mau-Spiels lauert.

Soviel also zum 19. November, meinem persönlichen Allerheiligentag. (Morton Feldman auf die Frage, warum er komponiere: »Aus Trauer über Schuberts Tod.«)



unwiederbringlich 17.11.2020, 0:00

Heintje trauert um Mutter
orfon

Immerhin, die – zugegeben: herausgepickten, ihres Kontextes beraubten – Zeilen »Du wirst doch nicht um deinen Jungen weinen« haben sich nun auf traurigste Weise bewahrheitet: Herr Hein weint um seine Maama. Zwar haben wir immer gewusst, dass es wohl einmal so kommen würde müssen, aber den Gedanken nur an die Möglichkeit in dumpfer Panik stets weit von uns gewiesen. 

Unser aller Kindheit ist nun endgültig vorbei.



alles erlaubt 8.11.2020, 0:00

Künstlerische Darbietungen ohne Publikum bleiben weiterhin erlaubt – unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln. 
Verordnungsentwurfsdetail

Wir haben es gelernt und verinnerlicht: was im Österreich nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten. Höchstwahrscheinlich sogar streng (strengstens) verboten. (Schdrenxdenz verbotten, im Oberösterreich.)

Dringend zu klären wäre die Frage, was denn nun eine künstlerische Darbietung sei. 

Also, erstens: Darbietung (ohne Publikum) und, zweitens: künstlerisch. Wann also bietet jemand etwas dar (ohne Publikum; unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln), bietet gar sich dar (ohne Publikum; unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln)? Es muss sich um eine Art religiösen Akt handeln: wir haben es mit Hingabe zu tun (ohne Publikum; unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln). Darf sich vor dem Spiegel dargeboten werden? Wär’s gar Eitelkeit? (…)

Zweitens: künstlerisch. Was lässt sich für künstlerisch erklären? Welcher Behauptungskraft bedarf es? Wer bewertet es? – Wir brauchen Kommissionen!

Kehren wir zur urösterreichischen Kernprämisse zurück: Was nicht erlaubt ist, ist, grundsätzlich!, verboten, wo kämen wir da sonst auch hin? Das betrifft nun alle Lebensbereiche. Nahrungsaufnahme. Ihre Verstoffwechselung. Die Ausscheidung. Triebhaftes Sichausleben (unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln; ohne Publikum). Künstlerische Gestaltung vom Akt des Ausscheidens wurde längst in den Kunstkanon aufgenommen, sowas lockt heutzutage keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor. Und beim triebhaften Ausleben (ohne Publikum, vollhygienisch) verhält es sich wohl ähnlich.

Es bleibet also unermesslich viel Raum zum individuellen Ausgestalten (ohne Publikum; unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln). Das nennt man dann die österreichische Realverfassung. Nun in notorisch Neuer Normalität.

Was haben wir’s doch gut, dass wir das Volk der Tänzer und Geiger sind: Alles Künstler! Und Spitzenportler, das sowieso, insbesondere winters. 

Eines Tages wird wieder ohne Einhaltung jedweder Abstands- und Hygieneregeln vor Publikum gekünstelt und sich dargeboten werden. Und wir freuen uns alle schon sehr.

(In der Zwischenzeit wird eifrig geübt. Schließlich ist man ja, kulturverliebt, von Systemrelevanz.)



hyperbrush 6.11.2020, 0:00

3 – 2 – 1 – Ignition … and Lift-off
final countdown, Raumfahrt (amerik.)

Trump verwechselt Hyperschallrakete mit elektrischer Zahnbürste
derstandard.at

Bitte, wem kann sowas denn nicht passieren? Hat ja jeder von uns schon einmal was verwechselt. Und dass Herr Trump völlig unverhofft nachgerade poetischer Sidesteps fähig ist, lässt ihn beinah in einem milderen Licht erscheinen. 

Ijon Tichy, Held von Kosmos, grüßt aus seiner Rakete, die ja von außen auch irgendwie wie eine – Achtung, Zauberwort! – Pressstempelkanne aussieht. Und alle Hoffnung fürs Universum ruhet auf ihm. 

So heb doch schon ab!

Jetzt heißt es hoffen.



turnaround 31.10.2020, 0:00

Alternsforscherin erklärt, warum wir immer jünger werden
kurier.at

Hat es dereinst geheißen: »an den Kindern sieht man’s«, so hat sich dieser Spruch gewandelt. Wobei, die Eltern durchs hohe Alter (in Richtung ewige Jugend?) begleitend, kann ich bislang wenige Aspekte erkennen, die eine solche Behauptung fundiert belegen würden. 

Blöd sind wir alle ein Leben lang, und das Herz, es bleibet jung ewig. 



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