Eseleis Sonntag, 5. 4. 2020, 0:00

Corona-Virus: FPÖ legt ihre Anti-ORF-Kampagne auf Eis
kurier.at

Es gibt, auch für Körperschaften, Zeiten, da läuft einem alles wie geschmiert, alles spielt dir in die Hände, im Kleinen wie in den Zeitläuften, es kann sogar gelingen, dass du die Definitionsmacht erringst, anzusagen, worüber zu reden sei, was eben wirklich wichtig ist. Die befindlichkeitsdiarrhöischen Sozialmedien können da recht hilfreich sein, schmieren weiter nach, mit erfreulichen Aussichten. Dann legt, als läge ein Schutzschalter den Hebel um, das Schicksal den Hobel an (oder ein Video ein), unten steht ein Nagel steht vor (das Knabenchor-Paradigma), und an allem Schuld sind die üblichen Verdächtigen, für die pauschal die Schuldvermutung gilt: Ausländer der Kategorien B bis Z, gewisse Kreise an gewissen Küsten und natürlich der ORF. 

Jetzt aber! Weg mit der Gebührenfinanzierung!

Wir haben es mit einer neuen – ohne Zweifel der entscheidenden – Spur zu tun, wer den Erreger in die Welt gesetzt haben muss. Kairos, der glückliche Zeitpunkt und sein Erkennen, das Momentum, ja, Glück, beim Schopfe packen, hmm, das ist wohl so eine eigene Sache, und manchmal ist man wie vernagelt.

Generell gilt: Informieren Sie sich bei Facebook & Co. Den öffentlich-rechtlichen Medien kann man, aus dargelegten Gründen, keinesfalls vertrauen. 

(Klopapier haben wir ja genug daheim.)

[18.3.2020]

________________
PS: Eis, Eis, war da nicht was mit Eis? … Richtig! Die Twinni-Dichotomie! – Gedächtnisauffrischung dazu gibts beim am 15.12.2019 publizierten Beitrag.



… wir brauchen das! Samstag, 4. 4. 2020, 0:00

Gartenpartys der Queen abgesagt
orfon

Jetzt reichts aber endgültig!
Jetzt reichts aber, endgültig!
sowie
Jetzt reichts, aber endgültig!

(Schon irgendwie interessant, wie man uns Basismenschen mit Gelegenheit zur Empathie nach obenhin versorgt.)

[18.3.2020]


ummauert Freitag, 3. 4. 2020, 0:00

Kussverbot an Klagemauer 
orfon (noch zu vertonen)

In Nischni Nowgorod, in Nischni Nowgorod, 
dort gibt’s kein Kussverbott und keine Hungersnott 
und es wird Morgenrott und es wird Abendrott 
und alle schlafen dann wie tott!

Fritz Löhner-Beda (vertont von Richard Fall)

Wir erfahren daraus: In Nischni (kein Mensch dort sagt das Nowgorod dazu; vgl.: Attnang-Puchheim) kommen sie ohne Klagemauer aus. Oder, im Fall sie haben eine (was weiß ich, vielleicht doch: am Abhang zur Oka, als Teil der Kremlmauer, bei den Sprungschanzen mit Blick zur Wolga – Sie sehen: hier verfügt einer über Ortskenntnis), dann darf dort trotzdem geküsst werden, Menschen, Zettel, Bäume; bitte aber keine Flughunde oder sonstig verdächtiges Gekreuchfleuch.

Außerdem, nicht uninteressant, hat die Stadt zwischendurch 58 Jahre lang Gorki geheißen und war ein im Westen politisch beliebter weil wohl beklagungsgeeigneter Verbannungsort, und namentlich das Sacharow-Museum sei jedem zum Besuch empfohlen.

[17.3.2020]


eingekreist Donnerstag, 2. 4. 2020, 0:00

Deutschland will das Einreiseverbot sofort umsetzen
orfon

(Gemeint ist die Schließung der EU-Außengrenzen.)

Das wollen wir uns aber bitteschön jetzt auf der Landkarte ganz genau anschauen dürfen.

»Aaah-ja«, würde Loriot wohl sagen, und der Admiralität die sofortige rigorose Abriegelung Helgolands empfehlen. 

Wider die Briten. 

[17.3.2020]


duckplot Mittwoch, 1. 4. 2020, 0:00

Beim Hören der mehrmals täglich gesendeten Verlautbarungen im Radio, dass insbesondere alte Leute, »auch, wenn es schwerfällt« Verständnis haben und es ertragen müssen, dass sie ihre Kinder und Enkelkinder jetzt für längere Zeit nicht persönlich treffen können, taucht der monströse Verdacht auf, dass die ganze Viruskrise eine einzige weltweite Verschwörung der Wegducker ist, mit zynischer Chuzpe eingefädelt, die sie (es gibt sie in fast jeder Familie) mit ihrem bereits langjährig praktizierten Social Distancing als die letztlich Liebenderen dastehen lässt, denen in der Folge wohl auch einzig das bald zu lukrierende Erbe zusteht.

Sollte alles aber garzulang dauern, können sie mit einem zwischendurch doch noch gewährten Kurzbesuch gnädig nachhelfen, mit kürzest denkbarer Inkubationszeit, das sowieso.

[17.3.2020]


Zu Beuren nachgetragen Dienstag, 31. 3. 2020, 0:00

Des weiteren gibt es bei den Benediktinern eine sog. Beuroner Ordenskongregation.Deren Ortsbeifügung rekurriert allerdings auf Beuren im Landkreis Sigmaringen (nebst Tuttlingen) – ohne Kauf-, kein Konsumzwang also und damit eo ipso nicht auf Weltliches erpicht. Ihre Mönche (und Nonnen; beiderlei freiwillig Gottgeweihte beten und arbeiten in jeweils eigenen Klöstern) zeichnen sich durch ein besonders kontemplativ geführtes Leben aus, wodurch sie für die gegenwärtig verordnete Vereinzelung gut vorbereitet sein dürften, und namentlich der Prior einer seiner Gemeinschaften weiß, wie bezeugt ist, schon lange um die Vorzüge, die einem heutzutage die Möglichkeiten eines privaten Heimkinos in cella bereiten können. Und kann man sich auch gegenwärtig auf Grund der gesperrten einschlägigen Handelsgeschäfte keine der dafür bislang unabdingbaren Bild-Ton-Träger beim Besorgvorgang unter den so praktischen Habit stecken, so kann man es (sich) gottlob – und höchst gottgefällig – mittlerweile längst schon streamen lassen.

Nur zu!

[17.3.2020]


Aus Beuren zugetragen Montag, 30. 3. 2020, 0:00

Auch ein Kinokomplex im kreis- aber nicht krisenfreien bayerisch-allgäuischen Städtchen Kaufbeuren musste seinen Betrieb einstellen, trotz, wie sich herausstellen musste, prophetisch-sinniger (und zur Zeit der Benennungsentscheidung harmlos-gloriolischer) Namensgebung.

Was nun lernen wir daraus: Die schmuddeligen (heute wissen wir:) guten alten, nicht nur in Wien auf Gürtelnähe abzielenden Einpersonensaalkinos mit ihren Solo-Kabinen samt großzügig implementierter Hygieneausstattung (Mangelartikel Toilettenpapier! – »Jede/r bitte nur eine Rolle!«) dürften möglicherweise allzu voreilig aus der Angebotspalette der hiesigen Unterhaltungsbranche verschwunden sein.

[17.3.2020]


Rücken auseinander Sonntag, 29. 3. 2020, 0:00

sobald man kann / es bleiben soll / zusammen fein zu sein
Karl Valentin

»Wir müssen jetzt zusammenstehen«, sagt der Kanzler ungewohnt unbedacht. Hat, für einmal, seine endogene mind control versagt. Rücken wir es also zurecht: Zusammenstehen, ja, aber halt nicht soo eng. Und: Hinaus! Alle brauchen wir es, hinausgehen! Selbstredend alleine (allein, mit sich selbst gesprächig), streng vereinzelt gilt es zu peripatetisieren, und aber bitte niemanden ansprechen, angreifen und anlachen schon überhaupt gar nicht, damit nur ja nichts passieren kann. Nichts nichts nichts.

In der Steiermark, so lässt sie ankündigen, führt die Polizei ab sofort »Bestreifungen« durch. Ob das nicht erst recht gefährlich ist? Jedenfalls sicher nichts Angenehmes, und ich würd’s mir eher nicht gefallen lassen, das brächte mir eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt ein, darauf will ich’s keinesfalls ankommen lassen, zu keiner Zeit, nie, nequiquam, das bedeutet aber vergeblich, und das ist doch letztlich Alles Streben, welches bekanntermaßen eitel ist.

Narzissen wir alle, und das Fest, es wird wohl abgesagt. Ob’s eine Aster-Show-Party gibt, wer weiß?

[16.3.2020]


Wie geht’s? Samstag, 28. 3. 2020, 0:00

Nach dem Rubikon sind nun die Iden des März überschritten. Wir zählen den ersten Montag im virologischen Ausnahmezustand. Beim beliebtesten Diskonter Österreichs klafft in der Klopapierzone die nach entsprechenden Medieninformationen zu erwartende Lücke. Man hat sie mit zwei Paletten Dosen mit Silberzwiebeln (links) und Gemüsemais (rechts) gefüllt.

Jetzt bräuchten wir bitte ein Tutorial.

[16.3.2020]


Hexeneinmaleins Freitag, 27. 3. 2020, 0:00

SINGLE NIGHT
Komm und trau dich!
Veranstaltungsankündigung (abgesagt)

… wie dich selbst
kleine Tarierübung

Der Hexenkessel, ein in Verkupplungsfragen verdientes Lokal am Rande von Steyr (wo es auf der Wolferner Straße links zum Stoffümoa hinuntergeht), hat für 20. März eine, wie sich herausstellen musste, prekäre Veranstaltung angesetzt. Wobei, wenn man das Motto wörtlich nimmt, wäre sie ja durchführbar. Es darf halt lediglich eine/r kommen. Soll sich nur trauen.

Wo stand da einst was zu lesen, dass jemand zum Standesamt gekommen war und sich selbst heiraten wollte? Das war sicher in Amerika. Mit sowas kannst du es glatt zum Präsidenten bringen.

[15.3.2020]



an/ab [on/off] Donnerstag, 26. 3. 2020, 0:00

Beugung, (österr.:) Biegung
Worterläuterung

Die Sonne geht auf und zu
Ernst Jandl

Eine Prozessfortsetzung, so melden sie, wurde, des Virus wegen, abberaumt.

Abberaumen – ich beraume ab, du beräumst ab, er/sie/es beräumt ab, wir beraumen ab, ihr beraumt ab, sie beraumen ab: Denkt man, in einer Sprache, die man von mutters her (also ohne kognitives Erlernen von Grammatik und Wortschatz) beherrscht, allzuviel nach, ist man sich plötzlich ihrer korrekten Flexionsformen nicht mehr sicher.

Vermutet werden muss, leider, dass manche ganz schön (eig.: unschön) abgeräumt haben. Zu hoffen ist, dass es irgendwann für die Unschuldsvermutlichen heißen wird: Ausgeträumt. Unverjährt auf Jahre.

[15.3.2020]


Inkubatur Mittwoch, 25. 3. 2020, 0:00

(Allgemeine Anmerkung)

Zu einer möglicherweise erwartbaren Tagesaktualität im Mütterlog: Da ich diesen Aschermittwoch (der 26. Februar war’s) das mütterlog als tägliches Medium einer über Ostern hinaus zu haltenden quasipermanenten Fastenpredigt wieder etabliert habe, war klar, dass ich einen gewissen Beitragspolster im Voraus verfassen müsse, damit mir keine unnötige Eile des Textverfassenmüssens knapp vor Mitternacht drohe. Das kann zur Folge haben, dass zum Zeitpunkt ihres Verfassens der aktuellen Lage entsprechende Texte im Verlauf ihrer Inkubationszeit (bis zu ca. 14 Tage) an Brisanz gewinnen, oder aber auch, dass sie von einer exponentiell galoppierenden Weltrealität rechts überholt werden.

Nehmen Sie also die jeweils erscheinenden Beiträge insbesondere der Rubrik wir sind virus als Beleg, wie sehr sich der einmal niedergeschriebene Augenschein von erst später zum Ausbruch Gelangendem unterscheiden muss, in seinen Einschätzungen, im Grad seiner Lässigkeit und seines Spotts. Beim Erscheinen sind wir alle um einiges klüger oder zumindest faktenwissender geworden. Aber keiner von uns hat es schon immer gewusst, und als Künstler darf man sich da auch nicht klüger darstellen als man ist. Oder, wie es Slavoj Žižek in einem Kommentar in der NZZ ausdrückt: »Die Antwort kennen allein die Historiker der Zukunft.«

Sie sehen: Ich stehe zu dieser zeitlich bedingten Zweigestalt meiner Fastenpredigten. Sie mögen uns auch das Prinzip Inkubationszeit anschaulich vermitteln, auf dass wir die tauglichst möglichen Schlüsse daraus ziehen. Zu beschönigen gibt es sowieso nichts.

[15.3.2020]


geschäftlich Dienstag, 24. 3. 2020, 0:00

Die erlösendere Maßnahmennachricht war jene, dass fürderhin doch auch Geschäfte für Tiernahrung offen halten dürfen. Gar auch Kleintierhandlungen? Das wäre nämlich die endgültige Abwendung der Krise: Kauft bitte aber auch Meerschweinchen! Sie sind papiermäßig genügsamer als die notorisch pingeligen (verweichlichten!) Hamster. Damit gehört das Klopapier endlich wieder uns Menschen. Wir haben nämlich zu wenig davon für unsere Rosenpopos.

Was für eine Metapher auch vom Anscheißen. Wunsch nach unbedingter Stubenreinheit auch in extremis und bis über’s Gnack, zumindest.

[14.3.2020]


zusammen gewachsen Montag, 23. 3. 2020, 0:00

Dreiköpfige Familie in Wien genesen 
orfon

Du liest die Meldung und denkst sofort: Chimäre! Endzeitendstimmung will dennoch (noch) nicht recht aufkommen, und bekanntermaßen tauchen, zuvor, als Zeichen, absonderlich verformte Skorpione, zweiköpfige Schlangen und/oder Kälber auf.

[13.3.2020]


singulär Sonntag, 22. 3. 2020, 0:00

Wer hätte sich das vor kurzem noch vorstellen können: Wir derisolieren uns nimmer. Für unsere immer umfassenderem Egoismus (Egoismen? Aber nein: Egoismus kann nur im Singular seine höchste Steigerungsstufe ausdrücken) zugeneigte Gesellschaft klingt das doch einigermaßen paradox, aber es ist so. Und insbesondere auch die Gaffer (eine spezifisch isolierende, spontan sich bildende Masse) sind nun bedroht, das ist doch eine irgendwie stimmige Pointe: Unnütz-unnötiges Isolierbanddasein.

Auseinander!

[13.3.2020]


Onkel Mantra Samstag, 21. 3. 2020, 0:00

Opel-Chef hält Manta als E-Auto für möglich 
orfon

Ist eh ein Auto, einst, gewesen. Und was für eines: Mit Koteletten, Schnauzer und Vokuhila avant la lettre. Und der Onkel Hansi hat, angeblich, seine Hinterlichter entworfen. (Beim Ascona auch.) Designt? – Ich bitt’ Sie!, das gab’s doch damals noch nicht. Überhaupt war alles noch recht arbeitsteilig, unvernetzt, täte man sagen heutzutage: Einer (der Onkel Hansi, Wirtschaftsflüchtling; mittlerweile, konsquent, der AfD zugeneigt) macht die roten Hinterlichter inkl. Blinker, der andere die vordere Stoßstange und wieder ein anderer den Auspufftopf. Den Fuchsschwanz für den Schlüssel legt der Verkäufer drauf, und lediglich die verspiegelte Pilotenbrille musst du selbst beisteuern: Ohne sie wirst du auch nicht zum Kauf zugelassen.

Und jetzt das alles noch einmal in E!



Verließverlass Freitag, 20. 3. 2020, 0:00

Gefängnisrevolten, tödliche. Entsetzlich. 

Fidelio, heutzutage: Der am meisten vor Allem Gesicherte (aufs tiefste Verließ ist Verlass) sollte noch ein Weilchen warten, »Töt’ erst sein Weib«, sie springen eine große Terz nach unten, ein markanter Giant Step (nicht erst John Coltrane!, Beethoven hat später wieder an entscheidender Stelle, in der 9. Symphonie einen »vor Gott« gemacht), von D-Dur nach B-Dur, »noch ein Laut, und du bist tot«, zugleich erschallt das Trompetensignal, in puren Naturtönen: explizit befreiend.

Aber keinesfalls vor mehr als 100 Leuten, draußen könnten zudem noch 499 des dramatischen Showdowns harren. Vorerst.

So bleiben wir vorerst gespannt. Und verfügen, wenn überhaupt, über einen nur dünnen zivilisatorischen Firnis.

Fidelio indes lehrt uns Hoffnung. Und als Prinzip möge es uns fortwährend leiten, wie dereinst auch Ernst Bloch, durchs ganze Leben, bis zuletzt: Beim Trompetensignal begann der 92-jährige zu weinen; anderntags konnte er leicht gehen.

_________________
PS: Man verzeihe die hereinschwappende Musiktheorie: Hören Sie sich’s einfach an, und Sie wissen sofort, was und wie ich’s meine. Es wird Zeit sein; wenn Ihnen die ganze Oper aber zu lange dauert (was ich bezweifle), vermittelt es auch die dritte Leonorenouvertüre.

[12.3.2020]


Ins Amorphe Donnerstag, 19. 3. 2020, 0:00

Wasser vergessen. Wie es ist, wenn die Dichtung schmilzt. Sehr unerfreulich, allemal.

Aber: Was für eine Metapher! – Worte, lyrische zumal, unkontrollierter Hitze ausgesetzt, wie sie zerrinnen, schlussendlich gerinnen, zwischen Allem. Quasi Bacon (nicht der englische Speck) in Sprache. Welch wunderliche Formen da zutage treten. 

Nicht so aber, wenn du rechtzeitig den Ofen abdrehst und den Kaffeereaktor, möglichst unhektisch, vom Herd nimmst. 

Was wäre das größere Glück?, laute also die Frage. 

(Wir bräuchten, öfter wo, etwas mehr Wasser.)



abgebogen Mittwoch, 18. 3. 2020, 0:00

In den Ellenbogen husten sollen wir, wenn wir müssen, sagen sie, aus der sicheren Distanz. Danke, das machen wir doch, gerne. Jedoch: Probieren einmal Sie, bei sich, in ebenjenen (den eigenen!) Ellenbogen zu husten, außen dran, nicht etwa in die – um etliches leichter erreichbare – Armbeuge: Sehen Sie, da haben wir’s.

Somit wäre, nein: ist Corona so gut wie abgehakt.

[11.3.2020]


Hohe Messe Dienstag, 17. 3. 2020, 0:00

Kirche erlaubt maximal 100 Besucher pro Messe
orfon

Da haben sie sich die Latte aber eh einigermaßen hoch gelegt.
(Querlatte, gewissermaßen.)

[11.3.2020]


Enigma Montag, 16. 3. 2020, 0:00

la talpa (it.)
(auch:) 
Tunnelbohrmaschine
(auch:) Spitzel

Vorfrühling. Du schaust, wie sicher geborgen im Norden der Alpen, aus dem Zugfenster, erinnerst dich, was du, begrifflos-unbewusst längst wusstest: Maulwurfzeit. 

Wir wesen im saisonalen Hügelland, rasch geht’s hinauf, rascher runter: Erhöhte Acht ist angebracht. 

[9.3.2020]


barbarisch Sonntag, 15. 3. 2020, 0:00

Missbrauchsskandal: Papst akzeptiert Rücktritt von Barbarin
orfon

Habe ich mich zuletzt in einer Anmerkung darüber mokiert, dass orfon seit eh und je keine französischen accents integriert, so muss ich seine Typographen für diesmal in Schutz nehmen. Umso mehr stelle ich nun die Texter selber an meinen beinharten Sprachpranger: Man muss schon recht eingelesen bzw. eingehört sein, um zweifelsfrei zu wissen, dass es sich bei der zurückgetretenen Barbarin nicht um ein (möglicherweise unzähmbares) wildes Weib handelt (die Kirche hat ja schon Probleme genug mit ihren in aller Regel durchaus zahmen und umfassend ehrwürdigen Frauen), sondern um einen Kardinal (das sind Männer, die sich gerne in roten Röcken und Roben präsentieren – so müsste es einem erscheinen, wüsste man nicht um die kultische Notwendigkeit derartig erklärungsbedürftiger Überwäsche). Barbarin, ein Kardinal, der missbrauchsmäßig niemanden gedeckt hat und der eh keinen Dreck am Stecken hat, und, Zitat: »Gott sei Dank sind die meisten Fälle verjährt.«

Gesichter sind dazu da, nicht verloren zu gehen, auch nicht mit 69, so eine schöne Zahl auch.



tacet Samstag, 14. 3. 2020, 0:00

Stimmverlust: Andre Rieu sagt Konzerte ab
orfon

Das korrekte, quintenreine Stimmen seiner eigenen Violine gehört zu den geigerischen Basics, nicht nur bei Virtuosen, von Graden eines André* Rieu gar. Umso mehr muss es nun verstören, dass der walzerselige Terzengeiger aus Maastricht weder in Lage noch willens zu sein scheint, selber für die heute so dringlich benötigte richtige (korrekte) Stimmung zu sorgen – oder wenigstens einen entsprechend eingeschulten Assistenten mit der Behebung des Stimmverlusts zu betrauen. Und es gäbe ja Stimmgeräte, Stimmgeräte-Apps sogar, mittlerweile, für wirklich jede Stimmung, wirklich wahr.

Außerdem: Es hätte doch eh niemand gemerkt, vermutlich.

___________________
* Anm.: Aus wenig nachvollziehbaren Gründen vermag es orfon bis heute nicht, auch nur die einfachsten französischen accents in seine Typographie zu integrieren; im Zitat belasse ich die orfon-ische Variante, im eigenen Fließtext drängt mich die pure Humanität, den Leuten und Begriffen zu ihrem wahren Namen zu verhelfen.



fällig Freitag, 13. 3. 2020, 0:00

Erster Fall in Slowenien bestätigt
orfon

Die Welt ist alles, was der Fall ist. 
Ludwig Wittgenstein

Da wäre also einmal der Nominativ. Peripheres Wissen und ergänzende sachbezogene Recherchen ergeben die Erkenntnis, dass im Slowenischen von den acht urindogermanischen Fällen immerhin deren sechs erhalten sind, und zwar Imenovalnik, Rodilnik, Dajalnik, Tožilnik, Mestnik und Orodnik. Vokativ (vermutl. Vokatnik) und Ablativ (Ablatnik?) müssen also abhanden gekommen sein. Und weiters haben sie zwischen Singular und Plural auch noch den Dual: Was für eine reiche Sprache!

So gesehen muss die Meldung, man habe nun in unserem so schönen und freundlichen südlichen Nachbarland einen Ersten Fall entdeckt, wieder einmal als klassische Nichtmeldung … ähm … vermeldet werden. 

[5.3.2020]


Milliarden Knoten Donnerstag, 12. 3. 2020, 0:00

Google sagt Entwicklerkonferenz ab
orfon

Nun, seine speziellen Kompetenzen haben ja Google und all die anderen, in üblichen zeitgemäßen (zumindest Welt-) Verschwörungstheorien selbiger verdächtigen Milliardenkonzerne eher im immer feinmaschigeren Vernetzen, und bekanntermaßen müssen nicht nur Delphine verdammt aufpassen, dass sie sich nicht in ebensolchen verheddern, wenn das auch recht dekorative (manchmal künstlerisch verwackelte) Bilder für WorldFotoAwards zu zeitigen in der Lage sein mag. Mit dem Überleben hapert es dann aber allemal, was man sich dann wieder daunddort zuposten kann, ohne dass sich allerdings irgendwas davon wieder entwickelt, und nicht nur Meeressäuger, selbst Fische können ertrinken und sich so viral verbreiten.

Uff. Genug verwickelt für jetzt: Wir bräuchten bitte echte Entwicklungen!

[4.3.2020]


Von Haus aus Mittwoch, 11. 3. 2020, 0:00

Heimarbeit bei Twitter und Google
orfon

Ob es sich hier nicht vielmehr um eine Nicht-Meldung reinsten Schrots handelt? Nämlich, wer macht denn bei, bzw., richtiger: für Twitter und Google die Arbeit, wenn nicht (nach menschlichen Maßstäben) unzählige Außenposten weit draußen in der Welt, mitten – eig.: twitten – unter uns!?

Dass jedoch ausgerechnet durch derartige Heimarbeit ein Virus an seiner Ausbreitung gehindert werden soll, das halte ich für einen zynischen Treppenwitz. – Isolieren!

[3.3.2020]


globulal Dienstag, 10. 3. 2020, 0:00

Evangelikale versprechen »Immunisierung«
orfon

Wir befinden uns in der zeitgemäßen Rubrik Coronavirus. Berichtet wird uns von einer »Catedral Global do Espirito Santo in der südbrasilianischen Stadt Porto Alegre«, was soviel bedeutet wie »fröhlicher Hafen«, und schon horchen wir auf: In Häfen häufen sich heutzutage etliche munkeldunkle Viren, wollen an Land, über ein unbedarftes Binnenvolk sich hermachend. Jene Catedral Global nun verheiße eine »Salbung mit geweihtem Öl, das gegen Epidemien, Viren oder Krankheiten immun macht«.

Indes, es darf entwarnt werden. Die frohbotschaftlichen Versprechungen (irgendwie doch diesseitiger Art) zu der mit dem heimtückischen Virus assoziierten Lungenkrankheit können getrost als harmlos promillehaft, im Nano-Bereich anzusiedeln, abgetan werden, vergleichen wir sie nur mit den Verheißungen, die sie und letztlich sämtliche Religionsgemeinschaften alle Welt ins Jenseits vertröstend als ganz gewiss zusichern, wovon sich ja ganz gut leben lässt, und etliche schöne Bauwerke und Kunstwerke sonder Art und Zahl, dazu weitere fraglos Gute Werke verdanken wir ihnen auch, und damit wollen wir auch schon aufhören, denn wer nicht aufhören will muss »Au!« fühlen.

(Aber irgendwie interessieren täten mich diese brasilianischen Globuli doch, wenn sie auch im Ruche des Scharlatanismus stehen.)

Bleiben wir dran. (Denken sich auch, hirnlos, die Viren, sowie ihre medialen Verbreiter.)

[4.3.2020]


Binnensorgen Montag, 9. 3. 2020, 0:00

Zwei deutsche Passagiere des Kreuzfahrtschiffs »Aida Aura« könnten mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sein. Das Schiff mit rund 1.200 Passagieren lag Dienstagfrüh im Hafen der norwegischen Küstenstadt Haugesund.
kurier.at

Lassen wir uns diese Meldung zunächst einmal schön langsam auf der Zunge zergehen, in seinen so wertzuschätzenden Einzelheiten. In der Folge danke ich Ihnen, wenn Sie mir gewähren, dass ich mir meine Topoi nicht in ihrer arithmetischen Reihenfolge, sondern nach ihrem Insaugspringfaktor vornehme, so übervoll (wie vermutlich das Aida-Schiff mit seinen neuartigen Viren) schwappt alles herein.

In Norwegen, so west-nord-ost-weit-groß das Land auch sein mag, muss man sich beim Zoomen auf der Landkarte (so macht man das mittlerweile, und des öfteren erwischt man sich, diese Aufzwickbewegung auch, völlig unnütz, auf konventionellem Papier zu versuchen, und sieht das jemand anderer, macht man eine die Verlegenheit auflösende Suppenwürfelzerbröselgeste) einigermaßen anstrengen, eine Stadt oder auch nur größere Ansiedlung aufzuspüren, die nicht an seiner (Norwegens) darmzottengleich multipelst aus- bzw. eingefältelten (also alles andere als einfältigen) Küste liegt. Bei persönlicher Recherche taucht mir, immerhin, zuerst das irgendwie Sinnliches verheißende Geilo auf. Nun, dass ein Schiff in einer Küstenstadt anlegt und eben nicht in einem (etwa geiloischen) Binnenland, das musste bitte schon erwähnt werden, danke für die knallharte Faktenrecherche! Und stellen Sie sich aber vor, nicht nur in einer Küstenstadt, sondern noch dazu im Hafen dieser Küstenstadt, allerhand aber auch!

Zum Kreuzzug gegen das Virus aus dem fernen Osten: Schade, dass es in einer heutzutage mit wenig Religiösem assoziierbaren Weltgegend designt wurde. Käme es etwa aus dem arabischen Raum, es ließe sich, in bester Tradition, besser dagegen ziehen. So ist es lediglich ein sich im Voraus ergebendes Zukreuzekriechen. Immerhin und sinnigerweise war ja Aida dereinst eine schlussendlich mit eingemauerte (also isolierte) Königstochter aus Äthiopien im Nordosten Afrikas (seit 1993 ein Binnenstaat). Außerdem ist Aida eine mittlerweile international – auch in den arabischen Raum – expandierende Wiener Café- und Konditoreikette, sowas wie »the McDonald’s of the konditorei«, den Namen hat der Gründer, ein Opernliebhaber, von Verdis Werk genommen, Tosca, ein gleichermaßen final letaler Name (Sprung von der Engelsburg, Italien!), hatte seinerzeit (1913) das Nachsehen, Klammer zu.

Ermüdet nun vom vielen Assoziieren (ein eigener Virus, ich sag’s Ihnen) möchte ich schlussendlich dem Kapitän (oder ist’s eine Kapitänin, warum nicht – speziell wenn’s ums Anlandgehendürfen geht, besitzen da kämpferische Frauen erwiesenermaßen bewundernswerte moralische Stärke, Courage, ja!) meine Hochachtung aussprechen, dass er mit dem Städtchen Haugesund eine dem Namen nach hochkompetente Anlegestelle gewählt hat. Wenn auch über die Methoden der Gesundmachung (Heilung?) eine zeitgemäßere, humanere Methode gewählt werden sollte, als sein Name implizieren mag. Aber ist human noch zeitgemäß? War es es je?

(Warum mir jetzt ausgerechnet der Name Waltraud Klasnic einfällt? – Lesen Sie Josef Haslingers Mein Fall.)

[3.3.2020]


echt abgefahren Sonntag, 8. 3. 2020, 0:00

Alkolenker raste nach Benzindiebstahl davon
orfon

Ein ganz ein Gescheiter, sapperlot. Weil es lohnt sich immer, einen vollen Tank zu haben. Weniger gescheit ist allerdings sein metaphorisch voller Tank, mit dem er sich hinters Steuer gesetzt hat. Weil sowas gehört sich nämlich noch weniger und ist zudem echt gefährlich! Beruhigend jedenfalls ist, dass sie ihm den Führerschein abgenommen haben. Dann kann er nicht mehr fahren, weil das ja verboten ist.

Zum Glück haben wir orfon als Exponenten einer der letzten verbliebenen Anstalten moralischen Rechts.



sicher nicht! Samstag, 7. 3. 2020, 0:00

VW-Vergleich gilt nicht für österreichische Kunden
orfon

Aber ein X für ein U vormachen, das lassen wir sich uns sicher nicht, mögen beide noch so sehr anstoßen, das U vorn am V, das X hinten am W, ohne Stoßstange, knautschzonenlos, das auch noch! Nein, wirklich nicht, nicht mit uns Österreichern!

Aber mit uns können sie das halt machen.

Glauben sie.

Ist aber so.



Aus Zucker Freitag, 6. 3. 2020, 0:00

Gespenstisch wird’s, wenn du im Zug sitzt, ein später, und nach kurzer Fahrzeit dringt ein stechender Geruch durch den Waggon zu dir. Es kann doch nicht sein, dass der bleiche junge Mann mit den zeitgemäß fettigen Haaren und dem dazupassenden Bart (diese gleichmacherische Individualität, mit der sich in sog. Barbershops – men only! – verunsicherte Männer vormachen, dass sie bedeutsame Herren seien) sich eben den Nagellack entfernt. Du gehst vor zu ihm. Er schaut dich aus feindseligen kleinen Augen an. Du fragst, höflich aber schon auch bestimmt, was das sei, weist auf das Fläschchen vor ihm, das mit der farblosen Flüssigkeit, bittest, er möge es nicht mehr öffnen, der stechende Geruch, Kopfweh und so. Er zuckt, stammelt mit unwirklicher Fistelstimme: »Sie brauchen nichts zu befürchten, … Desinfektionsmittel … da brauchen Sie gar nichts zu befürchten, es ist alles sicher, alles unter Kontrolle (…)!«

Du wechselst den Waggon, und im Vorbeigehen kannst du dir ein gut hörbares doppeltes Räuspern – ||: ehü :|| (in Oberösterreich auch [kö:zn] genannt) – in Richtung der Desinfektionszone nicht verkneifen.

Viel hat nicht gefehlt, und er hätte die Notbremse gezogen.

[27.2.2020]


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