Zirkus 6.12.2021, 0:00

Diözese Eisenstadt schult Nikoläuse
orfon

Reiterinnen werden immer gesucht 
Loriot

Beim Nikolaussein (ein mehr angedeutetes denn klassisches Re-Enactment) handelt es sich um eine saisonale Beschäftigung, deren Wert und Wichtigkeit für die Erziehung der Jugend keinesfalls geringgeachtet werden soll. Nikoläuse stellen einen Bischof dar, sind aber selbst keine, selbst wenn sie das Wort Diözese ohne mit der Zimper zu wucken korrekt auszusprechen in der Lage sein sollten. Umgekehrt ist es für einen Bischofsamtsanwärter oder aktiven Bischof kein Ausschließungsgrund vom Amt, wenn ihm (hier entfällt das in der heutigen Ausschreibungsprosa oftmals nur allzu geheuchelte ›m/w/d‹, und auf schwarzen Brettern ausgehangene Aufforderungen, sich als Bischof zu bewerben sind zumindest in der Wahren Kirche bis heute nicht üblich) die Vokale nur in einer der deutschen Sprache naturgemäßeren Abfolge über die Lippen kommen mag. Die seinerzeitigen Scherze über Claus Peymann und seine dann doch nicht ergriffene Schangse auf seine definitive Österreicherwerdung fallen einem ein. Aber lassen Sie uns nun, ausnahmsweise, ein bisschen üben: »i-ö-i-ö-i-ö-i-ö«. Das geht ja schon recht gut, nun schneller: »iöiöiöiöiöiöi—«. Splendid! Wir haben bereits ein paar Runden in dieser – zugegeben kleinen – Manege gedreht.

Die Diözese Smyrna heißt heute Izmir, das ist leichter auszusprechen, und ob sie aktuell noch ein Bistum (sehen Sie, es gibt auch hier elegante Umschiffungsmöglichkeiten) ist, kann jeder (m/w/d) vermittelst einer kurzen Internetrecherche selber/selbsie/selbhen herausfinden.

Nikoläusemützen haben mit Kosakenzipfeln (außer, dass beide in diesem Text erwähnt werden, in dieser Sinneinheit, gerade eben, jetzt!) wenig bis gar nichts zu tun, und man kann sie auch nicht wirklich gut teilen, wie etwa einen Mantel.

Der Patron der Diözese Eisenstadt ist der Heilige Martin.

Läuse tragen weder Mitren, Bärte noch Mäntel, in früheren Zeiten war das jedoch oftmals, juckreizgenerierend, umgekehrt.

Kehren wir also um.



kommt vor 5.12.2021, 0:00

Landwirt in Schacht voller Mais erstickt
orfon 

Man liest so einen tragische Nachricht gebenden Artikel mit einem ganz anderen Bewusstsein, hat man am Vorabend Chili con Carne gegessen. 

Sowas kommt vor.



i oda i? 4.12.2021, 0:00

Johnson & Johnson will sich in zwei Firmen aufspalten
orfon

Ach!?
Loriot

(Johnjohn & Sonson?!) 

Geht da wem das Gimpfte auf? Populärpsychologisch spräche man wohl von einer schizoiden Situation. Moderner gesagt: Borderline.

Wer ist auf unserer Seite?



vorbildlich 3.12.2021, 0:00

Helene Fischer plant 2023 »Rausch« in Wien
orfon 

Wir sind immer wieder erstaunt ob nachgerade pubertären Verhaltens, das gewisse – wie wir meinen wollten zurecht – wichtigsten Vorbilder für unsere Jugend von Zeit zu Zeit an den Tag zu legen sich befleißigen. Nämlich: Einen Rausch planen. Das ist so, wie sich zu verlieben planen. Bitte, das geht nicht! So  landest du doch nur – streng metaphorisch gesagt! – mit dem Gesicht in der Sachertorte, mit Anlauf, und gibst dich für alle Zeiten dem Gespött preis. Und heutzutage bringt ja nicht einmal mehr ein Ortswechsel was.

Wie ich seinerzeit mehr als eineinhalb Jahre über geplant habe, mich nach der Matura zu besaufen, ist mir das auf selbstniederschmetternde Art gelungen. Später war mir zwar nicht mehr schlecht, aber gehabt habe ich auch nichts mehr von der sicherlich schönen Party, wie man mir erzählte.

Also bitte Helene, überdenk deine Pläne!



disziplinlos 2.12.2021, 0:00

Ruttensteiner sieht Österreich als Favoriten
orfon

Die Frage ist nur: Wofür? Beruhigt darf aber werden: Die Vision wird eingelöst, je-den-falls. 

Oder halt – diszipliniert, wie wir nun einmal sind, allesamt! – adaptiert.



mit links 1.12.2021, 0:00

Das Erlebnis großer praktischer Poesie (sowas gibt es) verdanken wir der ohnehin grundgrandiosen Nadja Kayali für eine wie beiläufig und desto ziselierend virtuosere Moderation. Es ging um den ersten als solcher auftretenden einarmigen Pianisten; dafür brauchte es keinen Ersten Weltkrieg, auch zuvor schon kamen Pianisten in Militärdingen Arme abhanden. Genauer besehen reicht ja schon eine abgefallene Hand für den glaubwürdigen Start einer entsprechenden Karriere, – »allerhand, mit einer Hand nur!«

Der sein Schicksal beeindruckend meisternde Pianist war, so erfuhren wir, ein gewisser Graf Zichy Geza, natürlich Schüler auch von Liszt Ferenc, und der Herr Graf haben auch ganz passabel komponiert, hatte er sich sein Repertoire doch seinerzeit selber schreiben müssen und ja noch keinen Ravel an der Hand, Etüden für die linke Hand, eine Valse d’Adèle, und diese Valse habe dem Liszt so gut gefallen, dass er sie sich – und jetzt kommt’s – kurzerhand selber für Klavier zu zwei Händen arrangiert habe, und das hat uns dann der Leslie Howard im Radio vorgespielt, in der Früh, was für ein Pasticcio, aufwühlend, anregend.

Für weitere derart verzaubernde Ansagen darf ich der mutigen Moderatorin als Gewährsmann ausrichten, dass selbst ich mir manchesmal die Haare raufe, obwohl ich alles andere denn ein Löwe (in OÖ: Löbe) bin, rein phänotypisch jetzt.



Dackelland 30.11.2021, 0:00

Opernball wackelt weiter
orfon 

Wackeln (oö.: ›im wiglwågl sei‹) ist die generelle Verfasstheit dieses Landes, und naturgemäß bildet das auch die Höchste Gesellschaftliche Repräsentanz ab, nachgerade verlustfrei, was auch sonst!? So wandeln wir wenig wacker wider widrige Zeitläufte. 

Den Blick auf die Welt aus operösterreichischer Perspektive nennt man Wackelblick. 

Weiter so.



hyperadäquat 29.11.2021, 0:00

Israel will mit Zeppelinen Raketen aufspüren
kurier.at

Du sollst nicht mehr Jakob heißen sondern Israel, denn mit Gott und Menschen hast du gerungen und hast obsiegt. 
Aus der Genesis

Das mit den Zeppelinen (gibt’s, das nebenbei, eine deutschere Erfindung?) klingt fast so wie das berühmte Gleichnis von wegen mit Katzen auf Kanonen schießen, oder so ähnlich, und manchmal hilft’s ja. 

Wordsmith hat mich John Blum genannt. Ich ihn Kasparsifal Hauser.  



auf gleich 28.11.2021, 0:00

Warren Buffett verdient weniger als erwartet 
orfon

Kenn’ ich, kenn’ ich. 

Anders gesagt: Wer hätte demnach nicht das Zeug zum Milliardär?

Das Zeugs?! Hmm, da wird’s schwierig. 



weltbewegend 27.11.2021, 0:00

Cliffhanger stören den Schlaf
orfon

Also ich, hinge ich an einer Klippe (oder an sonst einem seidenen Faden, über mir das Schwert des Damokles, von rechts stürmten die sieben Samurai mit Gebrüll auf mich zu und von links die fünf Tibeter, schweigend), bei mir wäre an Schlafen nicht einmal zu denken, eher ans Aufwachen, und manches Mal vermag man durch schieres Aufwachen mehr zu bewegen als bei allen achsowichtigen Verrichtungen, die man so einen ganzen durchwachten Tag lang nicht allesamt meint tun zu müssen.



gotell 26.11.2021, 0:00

Telefonwerbung. Telefontarifwerbung. Die kriegen dauernd Anrufe, bei denen ihnen mitgeteilt wird, dass sie den Job bekommen oder den Hauptpreis (ein Elektrosuv) gewonnen haben, und sie befinden sich gerade auf der abendsonnenbeschienenen Terrasse ihres Hauses im gemäßigten Süden. Oder vielleicht haben auch sie angerufen, ja, wirklich, wir bekommen das Wunschkind, und wir und überhaupt die ganze Welt freut sich so mit ihnen!

Ehklar, Werbung, da geht es um positive Dinge, wir sollen ja auch so erfreuliche Nachrichten bekommen wollen können, und nur mit genau dem Gerät ist es so gut wie garantiert, aber nur bei dem Tarif.

Soviel mehr Gespräche jedoch sind schlicht banal (sind es aber in Wirklichkeit nicht), welche Äpfel sind noch einmal die mit der belebenden Säure (…)? Und dann gibt es ganz viele Kurzgespräche, in denen es um die Zwischendurchverwaltung Echter Sorgen geht. Der Tarif dafür wird nie beworben werden.



Edi ade 25.11.2021, 0:00

Am Samstag, 13. November nachmittag habe ich im Heim (seit 18. Oktober war er dort) angerufen, ob mein Bruder nicht doch den Papa besuchen könne, ob es nicht eine Chance gebe, mit ihm spazieren zu gehen; sie hatten nämlich für zwei Tage zu, da ein oder zwei COV-Verdachtsfälle waren. »Nein, tut mir leid, es sieht so aus, als haben wir die nächsten Wochen zu … aber, Moment, Sie sind der Herr Mütter, ich habe Sie auf meiner Telefonliste, Ihr Vater scheint sich infiziert zu haben, der Antigentest war positiv, gerade jetzt ist das Rote Kreuz da wegen PCR-Test…« Sonntag nachmittag die Info vom Heim, dass Papa ins Spital muss. Sonntag abend der Anruf aus dem Spital, wir können je-der-zeit hinein. Knapp nach Mitternacht waren mein Bruder und ich bei ihm, er hat, beatmet, geschlafen. Es gab keine Hoffnung, die Behandlung war von Anfang an palliativ, alles andere wäre eine unnötige Qual gewesen: Das Drehbuch der Krankheit schaut bei einem alten Menschen in der Grundverfasstheit meines Vaters so aus. Und er hat sich daran gehalten: Montag waren mein Bruder und meine Mutter tagsüber bei ihm, er war ansprechbar und es war ein guter letzter Besuch für die Mutter. Dienstag gegen Mittag noch ein Anruf, der Bruder und die Schwägerin haben ihn einmal noch atmend erlebt. Wir sind am Abend nach Steyr, um 21.00 (Amstetten) kam der letzte Anruf. Papa war 20 Minuten zuvor im Schlaf, wie man sagt, gestorben, schmerzfrei, soweit man das wissen kann. Wir durften zu viert zu ihm, keine neunzig Minuten nach seinem letzten Atemzug. Er hatte einen neutralen Gesichtsausdruck, und das erscheint mir stimmig. Es ist ein Eingehen in eine (die) große Neutralität.

Soviel in aller protokollarischen Kürze.

Der Landeshauptmann Thomas Stelzer von der ÖVP hat nach einem beherzten Wahlkampf, in dem gewitzt eine Für-uns-gilt-Corona-nicht-Wohlfühlpolitik betont wurde, seine Wahl gut herumbekommen, und wir dürfen zur friktionsfreien Fortsetzung seiner Koalition mit der FPÖ gratulieren: Die Strategie ist aufgegangen, ein großer Erfolg. Dass dafür halt leider ein paar Opfer erbracht werden mussten, ist evident, und sterben müssen wir schließlich alle. Außerdem: Teil eines Rekords (91 COV-Tote in Oberösterreich in dieser Woche) zu sein, ist ja auch was schönes.

https://muetterlog.at/wp-content/uploads/2021/11/ediparte.jpg

Mein Vater hätte noch eine gute Zeit im Heim gehabt; er hatte sich erstaunlich rasch eingelebt, und durch seine fröhliche Unangepasstheit wäre er ein fürs Hausklima wertvoller und jedenfalls willkommener Bewohner geworden, hat sich abgezeichnet. Schade, traurig schade.

Aufs Programmheft vom LOGORATORIUM (zeitgleich und doch stimmig waren die Endproben bei Wien Modern) habe ich hinten drauf geschrieben:

Ich widme das LOGORATORIUM meinem Vater Edmund MÜTTER. Seine auch in der Demenz bis zuletzt intakte Freude an absurden Reimen, Wortspielen und gepflegtem Nonsens (etwas, das man bei vordergründig wenig gebildeten Menschen selten nur antrifft) war und ist mir subkutan-osmotischer Quell und beständige Ermutigung, meinen eigenen Irrsinnigkeiten fröhlich nachzugehen. Was ihm nicht gewährt war und wurde, darf ich in übersteigernder Fortführung (und auch einer gewissen theoretischen Unterfütterung – auf die es aber in der Essenz niemals ankommen darf!) weiterführen und -schenken.

Genau so empfinde ich es.

Heute ist die Trauerfeier.



Beerbeer 24.11.2021, 0:00

Superbock – schon der klingende Name verrät es (Sche-herz!) – das portugiesische Bier schlechthin. Bestell es dir groß und du bekommst es, als wär’s der Kühlturm eines kalorischen Kraftwerks. Mit Henkel, aus hebepraktischen Gründen (im – ohnehin schon recht günstigen – Preis inkludiert). 

Beer, heideggerisch-englisch gedacht, das müsste doch sein: ein Seiender, (der Seiende schlechthin). Eben a beer. Without (mit ohne; oder eben mit) Bier. Gut gekühlt, das jedenfalls jedenfalls. Und noch einer: Alles Beer!



überhaps 23.11.2021, 0:00

Ein Rückschlag nach dem nächsten für Biden
orfon 

Du musst nur die Laufrichtung ändern, (…)
Franz Kafka 

Wenn die Nachfolgenden (Worte, Schritte, Rüpel, …) sich allzusehr vordrängeln, nennt man das verhaspeln. Es erinnert an den Soziopathen, der bekanntermaßen nach dir ins Drehtürsegment steigt, jedoch, anstatt als nächster, vor dir ankommt. Vielleicht ist aber gar kein so großes Geheimnis dahinter, und er musste dafür lediglich die Umdrehungsrichtung umkehren.

Drehtürvordrängler. Moment, das war doch ein anderer, dieser Nächste Seiner Selbst.



Quader (Seitenlängen unbekannt) 22.11.2021, 0:00

Caritas fordert Paket gegen Frauenarmut
orfon

Besser arm dran als Arm ab
Durchkommmotto

»Soll’n sie doch bekommen!«, entfährt es einem unwillkürlich-gönnerisch. Jedenfalls empfehlenswert aber erscheint es, die dringliche soziale Maßnahme mit einer tatsächlichen Jubelmeldung (mit Foto, also wirklich wichtig) zu kombinieren, heißt es doch dort: »Post testet Mehrwegverpackungen.«

Mehrwegverpackungen gegen alle Armut (dabei gibt es sie gar nicht im Plural), und die Welt wird wieder heil; sofern sie das je war.



tierbös 21.11.2021, 0:00

Warum der Kater im Alter immer schlimmer wird
derstandard.at

Nicht immer »Warum nur? Warum!?« fragen, sondern handeln, entschieden handeln. Ergo: Kastrieren. Dann hört sich auch das mit dem Überallhinpissenmüssen endlich auf.



passed perfect 20.11.2021, 0:00

Adele-Konzerte in London in Sekunden ausverkauft
orfon 

Es gibt aber auch Konzerte, da wünschst du dir, sie selber seien bitte binnen Sekunden aus. Unlängst war ich in so einem. Namen werden keine genannt, es ist schon zuviel Schaden angerichtet worden, d.h. es wurden Gefangene gemacht, bis dass das schlechtewige Konzert endlich aus war, ans Weggehen war nicht zu denken, was heißt nicht zu denken, die ganze mit planvoll akustisierten Schwingungen strukturierte Zeit über habe ich ans Weggehen gedacht, denken müssen, das Weggehen aber ist schlichtweg nicht gegangen, aus sozialen Gründen.

Übrigens musst du auch nicht zu jedem Geburtstagsfest gehen, wird dir die Einladung auch noch so freundlich aufgedrängt, »und vielleicht hast ja zufällig dein Instrument dabei«, zwinkersmeili.

Allzuviel versäumen wir wirklich nicht. Denken wir tunlichst vorher daran, bevor wir dann blöd dastehen, mit einer Posaune in der Hand, und alles erwartet die sonochnichtgehörtoriginelle Version von Happy Birthday, ich spiele es nur mehr in Ges-Dur: Passt perfekt für Verewigte, unlängst etwa beim 80er von Gert Voss, das war eine Freude, aber wirklich!

(Fis-Dur: Ist allzusehr eingekreuzt: zuviel Auferstehung.)



Weininfekt 19.11.2021, 0:00

Sanfte, warme, reife Aromen und zarte Würze. Plus ein Hauch von Kühle. Der Geruch von Weihrauch. Nach der Sonntagsmesse in Palermo. Vom Nussberg. Entrückt von Raum und Zeit – eine Utopie. 
Genussschwulst, Christina Fieber in derstandard.at

Gimme fever
Elvis, Memphis

Metajournalist sollte man sein. Dann könnte man, als wär’s eine Literaturbetrachtung, die üppigsten Blüten der Lebens- und Genussmittelbeduftung näher unter die Lupe nehmen.

Wir stellen also fest, dass der Nicht-Ort zwischen Palermo und dem Wiener Nussberg oszilliert. Und unterziehen jetzt ausdrücklich nicht den Namen der zu zweifellos jeder Hoffnung Anlass gebenden Autorin einer weiteren, möglicherweise Hämisches insinuierenden Betrachtung.

Gesundheit!



überfällig 18.11.2021, 0:00

Warnung vor Dämmerungseinbrüchen
orfon

Jetzt, wo die Tage immer später anbrechen und immer noch früher enden, musst du, wenn du dir was für überdentag vornimmst, alles präzise vorausplanen, auf dass sich alles ausgehe, bevor das Tageslicht verglimmt. Seinerzeit, wenn wir sonntagnachmittags im Spätherbst nach Graz gefahren sind, war es oftmals so, dass du bei Tageslicht in den Gleinalmtunnel eingefahren bist, und am Südportal dann war alles finster. Wenn man uns nur gewarnt hätte, wir wären über Bruckandermur gefahren.

Merke: Lange Tunnel, aber auch Tunnelketten bergen die Gefahr unvermittelter Dämmerungseinbrüche. Wer indes früh fährt, dem winkt der Tagesanbruch. Aber eher wieder im Frühling, Sommer, genau.

Liebe Einbrecher, seid also gewarnt vor den plötzlichen polizeilichen Einsätzen zur Morgendämmerung: Brecht rechtzeitig auf!



Den Hals voll 17.11.2021, 0:00

Nordkorea hungert, das Volk soll schwarze Schwäne essen
kurier.at

Qu’ils mangent de la brioche!
Marie-Antoinette unterschoben

Der legendäre Tipp wäre (ein bonmot – eig. mauvaismot –, obzwar es sich wohl um eine – ein selbsterklärender Terminus – Wanderanekdote gehandelt haben mag): Kuchen. Das Problem dabei: Seinerzeit, vor 1789, bei Marie Antoinette, ging es auf den Umsturz qua Revolution zu. Was nun aber tut ein glorreiches Land mitsamt seinem jugendlichfeisten -esvater, in welchem die Revolution (und damit das Volk selbst!) per definitionem regiert, weshalb alles, was sie (die Revolution und ihre Verweser) bzw. es (das Volk; repräsentiert von den Verwesern der Revolution) macht, per se frei von Fehlern ist.

Papst müsste man, müssten alle sein, nicht nur wir.

Zum Ende des ersten Bandes seiner Kulturgeschichte der Neuzeit erzählt der große Egon Friedell, dass Louis Seize am Tage der Revolution in sein Jagdjournal (er ging auf Enten – seit Hans Christian Andersen sind das junge Schwäne) das lapidare Wörtchen »rien« (»nichts«) eintrug. Das Nichttreffen mochte wohl zutreffen, welthistorisch erwies sich das Notat, was die Tragweite der ansich unbedeutenden Erstürmung der Bastille betreffen sollte, als verhängnisvolle Fehleinschätzung, die wiederum jedoch, so Friedell, die durchunddurchig mediokre Persönlichkeit des Monarchen nachgerade idealtypisch abbildete.

Merke: Von Repräsentieren kriegt kein Volk seinen Hals voll. 



wie, bitte? 16.11.2021, 0:00

Rufe nach ›Taubenmanagement‹ in Salzburg
orfon

wie, bitte!?
Ernst Jandl, falken und tauben

Die Rufe verhallten ungehört.



Stärke zeigen 15.11.2021, 0:00

Mir träumte, es wäre da ein Gepard gewesen, und er habe ganz tief geschnurrt, eigentlich geknurrt, aber wohlig geknurrt, er habe sich zufrieden unterm Goderl kraulen lassen, und aber irgendwie habe ich schon ein mulmiges Gefühl gehabt, diese Viecher rennen ja nicht nur irrsinnig schnell, sie können auch rasch den Kopf herumreißend zubeißen, aber er hat ja nur wohlig geknurrschnurrt, geschnurrknurrt, schnurrgeknurrt, knurrgeschnurrt oder sagt man geschnorren, knurrgschnorren.

Starke Verben gehen daunddort ab. Wer Stärke zeigt, wird nicht angegreift.



triste 14.11.2021, 0:00

Mann schlief bei Einbruch ein
orfon

Das ist meine Aktentasche 
Loriot

Und ich habe gelesen: »Mann schlief bei Ehebruch ein.«

Soll aber auch schon vorgekommen sein. (Hernach.)



sheeping 13.11.2021, 0:00

to fall asheep – könnte das bedeuten, beim einschlafherbeiführenden Schäfchenzählen sanft zu entschlummern? Oder, schäfchenzähllos eingeschlafen, urplötzlich zu einem Traumschaf zu mutieren, aufwachen und es für alle Ewigkeit geblieben sein?

Schade, dass wir Franz Kafka nicht mehr um seine Einschätzung dieser Gemengelage bitten können, und das gilt noch für viele weitere Fragen unseres heutigen Lebens, für die meisten, genaugenommen für alle. Auch Gert Jonke fehlt nicht nur in dieser Hinsicht immer noch aufs schmerzlichste.



Ehrenrunde 12.11.2021, 0:00

Kreisverkehr fertig: Horrorkreuzung ist Geschichte
Oberösterreichische Nachrichten 

Die Bauzeit habe rund sechs Monate betragen, und auch budgetmäßig sei man mit fünf Millionen Euro im Rahmen geblieben. 

Auch was das Geld aus öffentlicher Hand betrifft, wird die genannte Zahl wohl eine ungefähre sein. Merke nämlich: Bei Kreisverkehren gilt umfassende Rundungspflicht. Alles andere wäre doch tatsächlich der pure Horror, und den haben wir aber bitte jetzt wirklich einmal bald endlich einmal aber echt (hier ließen sich zur Dehnung ad lib. noch ein paar weitere Affirmativa einfüllen) hinter uns gelassen!

Wie die kreative Gestaltung der umfahrenen (umgefahrenen?) Kreisfläche ausfällt, darüber wird nichts berichtet. Wir warten gebannt. Bleiben wir dran bzw., besser: drin!



ausgeweidet 11.11.2021, 0:00

Martini-Gans: Nur die heimischen von der Weide sollen auf den Teller
kurier.at

Vorher aber bitte durch die Küche treiben, die Viecher. Und auf dem Weg durch Blaukraut watscheln lassen, ein paar Maroni hinein und so. Und wehe, es kommt ein Hund und stiehlt dem Koch ein Ei. Dann kommen nämlich ganz viele Hunde, und in dem Trubel entkommt die eine oder die andere Gans, vermutlich beide. 

Watscheln Gänse wirklich auch? Sollte das nicht großwatscheln heißen?

Enten sind schon auch gut. Und Bratäpfel. 

Auf den Azoren gibt es, ich habe mich unlängst persönlich davon überzeugt, zumindest dreimal mehr Kühe als Menschen. Und Kaffee, wirklich. 

Gänsekaffee? Aber schwarz, ohne Milch.



DNCAO* 10.11.2021, 0:00

Lounge 1: Disclaimer food.
Flug 1: Stilles Wasser, 0,33l.
Lounge 2: Disclaimer food. 
Flug 2: Stilles Wasser, 0,33l.
Lounge 3: Disclaimer food. 
Flug 3: Stilles Wasser, 0,33l. 

(Ein aufregender langer Tag)

Fliegen bedeutet die Welt sehen, ohne ihr zu begegnen. Nach dem dritten Flug traust du dich nicht mehr hinaus, das Leben draußen ist allzu aufregend und, ja, gefährlich. 

Pilot müsste man sein. Oder Stewardess. 

_____________
*Does not contain anything offendible.



Jö schau 9.11.2021, 0:00

Vermisster Brillenpinguin wieder aufgetaucht
orfon

Du kannst noch so genau schauen, es nützet alles nichts, wenn du nicht die richtigen Dioptrien hast. 

Es gilt: Regelmäßig zur Augenärztin. Also ich. Weil ich habe eine Augenärztin, Eva heißt sie, sie ist die Frau vom Berndt, der seinerseits, mit angemessenem Abstand zur gemeinsam verbrachten Schulzeit, mein Dermatologe geworden ist. Sehr erfolgreich, Müttermale, Dioptrien, Alles in Allem. Die Eltern wiederum sind augenmäßig bei der Alex, einer direkten Schulkollegin; von mir. Mit Papas Hautärztin bin ich nicht zur Schule gegangen; musste ich ja auch nicht, ist doch seine Augenärztin bereits eine Freundin ersten Grades (in die ich in der Unterstufe heimlich – sehr heimlich! – verliebt war). 

Ist es nun also endlich heraußen.

Irgendwann taucht alles wieder auf, nicht nur Pinguine, zum Luftholen etwa.



fast as clever food 8.11.2021, 0:00

Hühner: Fast so schlau wie Krähen 
orfon

Der Hühner Vorteil – zu unseren Gunsten: Sie schmecken entschieden besser. Wobei: Wer schon einmal ein original Rabenbratl schnabuliert hat, hebe die Hand, und wer noch nicht, der (m/w/d) werfe den ersten Stein! 

Wie leicht sich doch irgendwelche Sachen zu Tatsachen machen lassen, und keiner kontrolliert’s. 

(Durch müssen sie sein. Und aber nicht zu trocken.)



Aufschwung! 7.11.2021, 0:00

Von dort geht es am üppigen Adventkalendersortiment weiter zum Herzstück des Geschäfts, einer freischwingenden Treppe, die so auch im Guggenheim-Museum stehen könnte.
derstandard.at über den neuen Meinl am Graben

Solange du nicht zu steigen aufhörst, hören die Stufen nicht auf, unter deinen steigenden Füßen wachsen sie aufwärts 
Franz Kafka 

Das Adventkalendersortiment ist, im Gegensatz zur Treppe (wie wir hoffen wollen), Saisonware, auch beim Meinl bereits vor Halloween. 

In Deutschland sagen sie ja Adventskalender.

Das Guggenheimmuseum braucht bitte keine Meinltreppe nicht, sie haben selber eine, noch dazu eine nachgerade berühmteste.

Jetzt wartet alles auf die Touristen. Ja, auch die Deutschen. Und die Adventkalender werden gehen als wie die warmen Semmeln, sind etliche Sammelobjekte darunter, darf jetzt schon verraten werden. Ob sie dereinst im Guggenheim ausgestellt werden, muss bezweifelt werden. Im Museum for Modern Art, wer weiß. New York ist ja riesengroß.



more 6.11.2021, 0:00

Ansonsten ist das Sortiment reichhaltig wie eh und je, wurde beteuert. 
orfon

esl schmecktl nurl
meinl kaffeel

Ernstl Jandl

Beteuern, schönes Wort im Zusammenhang mit einem Bericht über die Neueröffnung eines legendären Einkaufshauses der feinen Gesellschaft. 

Merke: Wer beteuert, verteuert. 

So lässt sich’s leben. More!



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