zum Abheben 21.5.2022, 0:00

Wo i geh und steh
Tuat mir mei Herz so weh

Erzherzogjohannjodler

AUA versteigert Sitze für guten Zweck
orfon

Hmm, Sitzen, wäre nicht das Sitzen so ein Guter Zweck? Wobei, Sitzen ist doch das neue Rauchen, und das ist lang schon verboten, beim Fliegen. 

Jetzt also auch das Sitzen.

Fliegen im Liegen? Das wäre zumindest herzschmerzlos.



siebtenteils 20.5.2022, 0:00

»Um Lotti zu zitieren: ›Das wird sicher nicht passieren!‹«
Lotti H. (hinterbracht von Grischka V.)

(verhört nach:)
Um Lotto zu zitieren: »Das wird sicher nicht passieren!«

wie wahr

Es gibt einen Menschen, mit dem verbindet mich eine über alle Maßen inspirierende, bezaubernde Verhörbeziehung.

Mit Lotti ist im übrigen nicht der gleichnamige Helmut gemeint. Helmet, auch so ein feiner Verhörer, dieweil es Night On Earth ist, Grokenberger heißt der Taxler. Und die Fliege Puck heißt doch nicht Elfriede!, fällt mir siedend heiß ein. Ohja, fröhlich sein, herzensfröhlich, woll’n wir das nicht sein, allesamt? 

Es hülfe. Lasset uns also die Zunge rausstrecken und elabätsch! sagen.

Besser so. Viel besser.



Ertränken, versenken 19.5.2022, 0:00

Um die versehentlich geschluckte Fliege zu töten, trank dieser Mann anschließend Gift
Zeitungsartikelüberschrift (aus dem Türkischen, via kurier.at)

Tot denn Alles! Alles tot!
Richard Wagner, Tristan und Isolde

Ertrinken, versinken (…)
a.a.O.

Seit unvordenklichen Zeiten führen Tränke (Trünke), über deren (beabsichtigte oder tatsächliche) Auswirkungen unter den beteiligten Personen (Verabreichenden, Trinkenden) nur unvollständige Kenntnis herrscht, zu argen Missverständnissen. Oftmals können solche Missverständnisse schlimme Folgen haben, zu denen sich allerdings wiederum die allereindringlichste Musik vorstellen lässt, was für ein Glück.

Wer schluckt Fliegen absichtsvoll, und wenn ja: in welcher Absicht? Wie klänge das, in actu? Welches Intervall?



Schamaninnenschmarrn  18.5.2022, 0:00

Schimpfende Schamanin griff tief in die Fäkalkiste
nachrichten.at

An ihren inkonsequent (dh. unvollständig) gesetzten Alliterationen erkennst du die Provinzzeitung. Hier will etwa der Schreiber feuner sein als es ihm ansteht. Schreibt feig Fäkalkiste statt der statthaft-schönen Scheißeschüssel.

Schöne Scheiße. Zum Schäminnen.

Sonst? Geht’s uns gut.



Binnenlage 17.5.2022, 0:00

Boris Beckers erste Stunden im Gefängnis: »Er hat niemanden umgebracht«
kurier.at

Es ist eine Frage die sich die Verantwortlichen in der Justiz (engl: justice) stellen müssten: Darf man jemanden, bei dem die Gefahr besteht, dass er ansatzlos durch die Gänge berserkere, in ein Gefängnis stecken, oder wäre es nicht sicherer, eine solche Person auf freiem Fuße zu belassen?

Man sieht: Es ist alles immer eine Frage der Angemessenheit. Schlitzohren indes würden eine solche Überlegensweise rasch zu ihren Gunsten auszunützen wissen. 

Boris Becker hat niemanden umgebracht. 



gegebenenfalls 16.5.2022, 0:00

Kanada will künftig Verbrecher auf dem Mond jagen
orfon 

Kanada kommt von der (irrigen) Annahme, hier sei nichts. Demgemäß wäre insbesondere Kanada dazu berufen, den Mond juristisch zu betreuen.

Über jedem Bösewicht schwebt das Verfahren; das wäre am Mond mit weniger Energieaufwand möglich.

Akkusativ bedeutet der die Anklage, Dativ der das Gegebene betreffende Fall.

Kanadische – warum eigentlich nur kanad.? – alstern, sämtliche Verbrecher könnten auf den Mond verbracht werden; dort würden sie dann gejagt. Von Kanada oder so.

Indes, bei einem als zu den humaneren Staaten gehörend geltendem Land wäre so etwas aber nur sehr schwer vorstellbar. Für Österreicher auf dem Mond gülte zusätzlich die Unschuldsvermutung, und alles löste sich in Luft auf.

Es wird nichts sein, nada.



progressiv 15.5.2022, 0:00

Nehammer mit 100 Prozent zum ÖVP-Obmann gewählt
orfon

Dieses indertat beeindruckende Ergebnis (wär’s nicht die ÖVP, müsste man es ein stalinistisches nennen, wir gratulieren!) bedingt nun aber nichts anderes, als dass die Ansage seines Vorgängers, der Politik endgültig und für immer entsagt zu haben, damit obsoletisiert wurde, mit Putz und Stingl. Weil das kann Er wahrlich nicht auf sich sitzen lassen, und keiner außer Ihm könnte das je noch toppen. 

Unter 120 Prozent kannst du nicht mehr Obmann werden, fürderhin, und wer mit dem Klatschen aufhört, dem wird die blasstürkise seidene Schnur gebracht.

Man nennt das die Abschaffung der Eiskalten Progression.



Strolzweg 14.5.2022, 0:00

Dort, wo ich mit meinem Erkenntnisstand bin, waren andere schon vor mir, Einstein, Tesla, Schrödinger, Hildegard von Bingen.
Matthias Strolz

Es gibt so etwas wie narzisstische Bescheidenheit. Für dieses Erkenntnisstandsupdate wollen wir Matthias ›Schwurrdiburr‹ Strolz und der von ihm (hoffentlich nicht zu Tode) umarmten Föhre in tiefster Demut auf ewig dankbar sein.



mit Haken 13.5.2022, 0:00

»Wie heißen die Wiener Würstchen in Wien?«
»Hasen.« 
»Das habe ich jetzt nicht verstanden.«
»Hasen.«
Quizdialog, Radio Österreich 1

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde
Karl Valentin & Lisl Karlstadt

Wahrhaft poetische Momente sind nur bar jeder Absicht möglich. 

Wollen wir kurz nachsinnen, was dem wackeren Tiroler am Quiztelefon so beharrlich unter »Hasen« vorgeschwebt sein mag. Und stellen wir uns die Situation vor, wie er, sanktjohannerbestellgeeicht, das Dialog- und Ausgabebord eines echten (sozialmedial keinesfalls empfehlungsgeeigneten) Wiener Würstlstands irgendwo am Gürtel entert und mit kantigen Konsonanten auch auf mehrmaliges Nachfragen beharrlich seinen Hasen bestellen will, gesotten, wie auch sonst. Dazu das schmähstade Gesicht des Würschtldompteurs, der in Wien ja allerhand gewohnt ist, deutsche Touristen, Frankfurterinnen etwa, die sich beweisen müssen, für Einheimische gehalten zu werden (»eine Eitrige mit einem Süßen und einem Buhgel, sowie ein Sechzéhnerblech, aber Jennifer«), was er je nach Laune ihnen abzukaufen vorgibt oder aber ihnen ein undeutbares »wos wüüst?« hinausbrummt, woraufhin sie kleinlaut auf die Käsekrainer am Grill deuten, die er ihnen, gerne mit Brötchen, dazugibt. 

Dann das. Ein irgendwie doch Einheimischer. Völlig im Wald. Waszumteufel sind bitte Hasen? Als Würschtl.

Vielleicht handelt es sich wie bei fast allem heutzutage schlicht um ein Genderproblem. Hätte der Tiroler statt »an Håsn« »a Hase« geordert, sie wären wohl zusammengekommen. Wären zwar keine Frankfurter geworden, das ist aber zweitrangig, ein Besuch beim Würschtlstand ist ja kein Quizspiel. Soll es zumindest nicht sein.



einmal nur 12.5.2022, 0:00

Elfter Mai. Für einmal nur sei die bescheidene Vorstellung ausgemalt, dass, eh nur der Bundeskanzler, eh nur bei einem Interview, einmal wirklich ehrlich antwortet, also nicht sagt, dass er jetzt ganz ehrlich sagt, was ist, sondern wirklich ehrlich: Dass ihn die Elli und die Schramböck voll anscheißen, dass sein Vorvorgänger im Kanzleramt es wieder nicht auslassen hat können, ihm einizuscheißen, dass ihm die Bünde- und Länderarithmetik der ÖVP voll aufn Arsch geht, und dass der Vorarlberger Landeshauptmann und sein Wirtschaftsbund samt ihrer auffällig zufälligen, turnusmäßigen Handy-Tablet-Laptop-Löschroutine niemanden für so blöd verkaufen sollen, das alles ernsthaft glauben zu wollen.

Dann würden wir einander fürderhin fragen: Wo warst du damals am 11. Mai?

So aber werden wir weiterhin nicht wissen, was wir am 11. Mai getan haben. Nicht im Österreich.



1a product placement 11.5.2022, 0:00

Die Pfarr­kirche Kai­nach bei Voits­berg ist die römisch-katho­lische Pfarr­kirche der in der Gemeinde Kai­nach bei Voits­berg in der West­steier­mark gelege­nen Pfarre Kai­nach.
Artikel des Tages, Wikipedia

Ach
Loriot

Damit wir uns etwas besser merken können, ist es gut, wenn in einem Text die wesentlichen Begriffe dezent mehrfach vorkommen. Das nennt man Mnemotechnik.

Was wir an jenem Tage gegen Ende April auch erfahren: »Die wenigsten Erpresserbriefe sind im Erpresserbrief-Layout gestaltet.«

Mnemotechnik, genau. Merken wir uns. Ach, Kainach!



It ceased not to be  10.5.2022, 0:00

Vollständig rekonstruierte DNA: Lässt sich der Dodo von den Toten zurückholen?
derstandard.at

This is an Ex-Parrot
potentiell überholter Aussagesatz

Wenn man dann den Dodo aus dem Reich der Totenvögel zurückgeholt haben wird, wird man nicht umhin können zu sagen, dass die dereinstige Ansicht, der Spruch »Dead as a Dodo« sei das finalstmögliche Verdikt, lediglich eine vorläufige Wahrheit gewesen sei.

Es ist das Wesen jeder Wissenschaft, dass sie sich für überholte Erkenntnisse nicht zu schämen braucht. 

So ist es: Die Wissenschaft schreitet fort, sie beyondiert, gewissermaßen.



duck you! 9.5.2022, 0:00

Forschungsmaschine CERN hat Beschleuniger gestartet
orfon

Ein Kelomat kann Kartoffeln beschleunigen
Harald Gsaller, zack!

Es will alles vom Zentrum an die Peripherie, und das seit etlichen Jahrmilliarden.

Beim Tenorhorn haben wir das unkontrollierte Wurln über die Maschinen Schleudergriff genannt; sowas gibt es ja bei der Zugposaune nicht, da geht es nur vor – zurück (wenn man so will: rein – raus). Und dabei immer schön kontrolliert, sonst fährt er dir aus, der Zug.

Das Starterset bei der Legobahn war ein perfekter Kreis, und die Lok war blau.

Mikrokosmos und Makrokosmos sind grundlegend eins.

Wir müssen uns wirklich rechtzeitig zu ducken lernen, sonst haut es uns raus, allesamt.



Bravonot 8.5.2022, 0:00

Hernández bedauert seine Unschuld 
abschließender Satz einer Kurzmeldung 

Manchesmal stolpert selbst die wackerste Nachrichtensprecherin, und natürlich wissen wir, dass sie ›beteuert‹ sagen hätte wollen, allein, es wollte halt nicht so recht heraus. Nehmen wir doch die Floskelmissglückung – bei einer Inlandsmeldung wär’s die vermaledeite Unschuldsvermutung – als poetische Startrampe, spinnen wir weiter (nicht jedoch fort). 

Welche/r einst Spätpubertäre kennt sie nicht, diese vom ehemaligen Präsidenten von Honduras überlieferte Stimmungslage: Du fühlst dich schon zu Allem bereit, allein die erotisch so aufregend aufgeladene Welt hat sich für dich noch nicht im mindesten zu interessieren begonnen. Es dauert halt noch, und deshalb bedauerst du die Überlänge der noch allein abzuleistenden Zeit vor dem so herbeigesehnten Er- bzw. Sielangen deiner vollumfänglichen Schuld. Seinerzeit, im Bravo, fandest du aufstachelnden Rat zu allen Fragen derartiger Nöte. Bekanntlich eignet ja der Jugend eine große, übergroße Bereitschaft, sich selbst zu betrauern, was manchen teuer zu stehen kommen kann, bis hin zur Selbstentleibung.

Beteuern, verteuern, betrauern, vertauen, verdauen, und alles, vor allem die Unschuld: bedauern. Unschuldige Expräsidenten haben es da noch vergleichsweise einfach, oder etwa nicht?!



Netter retten 7.5.2022, 0:00

Bergrettungshunde lernen das Fliegen
orfon 

Die Welt ist doch gut, oder sie wird es zumindest, demnächst, spätestens, wenn dann Fliegen das Retten (am Berg) erlernen.

Auch ich lerne beständig. Fliegen. Gehen. Stehen, ruhig stehen, vor allem, wenn die Helikopter nur so schwirren, fliegengleich und mit facettenaugartig zerhacktem Rotorengeratter. Beachte jedoch: Insbesondere der Golden Retriever, dieser Heilefamilieïndikator schlechthin, ist für die Epilepsie besonders anfällig: Strobodog.



hasenherzig 6.5.2022, 0:00

Warum, da es doch dorthin rutsche, sagt man eigentlich nicht hosenherzig?

Es kommt, das zusätzlich, immer drauf an, wer wo die Hasen anhat.

Löffelfrühling. So herzig!



evakuiert 5.5.2022, 0:00

Weltraumtouristen sitzen auf der ISS wegen schlechtem Wetter fest
kurier.at

Da draußen soll es ja saukalt sein. Man fragt sich schon, wer sich das als Tourist antun muss. 

Wenigstens zieht es im Vakuum nicht so, man spürt es kaum, und wenn, dann nicht für lange.

(Genaugenommen schweben sie ja, fest, im All. Wie geht das?)



übertaucht 4.5.2022, 0:00

Ein Schiff ist gesunken, daraufhin tauchen Bilder auf: Alles, was auftaucht, muss zuerst gesunken sein.

Wem das nicht zu denken gibt, auftauchende Gedanken. Wer hat sie versenkt, zuvor?

(Oder waren sie immer schon da, zuunterst, wie Tiefseewesen, The Deep Sea Of Mind?)



Selbstheilung 3.5.2022, 0:00

Schnabelspitze gebrochen: Zahnarzt musste Uhu behandeln
kurier.at

Bubo bubo (Linnaeus, 1758)
taxonomische Erfassung

In Österreich heißt das Synonym für Klebstoff Pick und für Pick Uhu. Damit werden sie ihn wohl behandelt, beschnabelt haben. Sowas nenn’ ich mir eine ausgepichte, angewandte Homöopathie! Dort (Lokativ: die H., ein Reich wie nicht von dieser Welt) wird Ähnliches mit Ähnlichem geheilt. Angeblich. Jedoch: Nicht alles Ähnliche ist wirklich garso ähnlich. 

Gibt es eigentlich Schnabelkleber in Globuliform? Welche Potenz?



Zusammenstellung 2.5.2022, 0:00

Jeder Dritte klagt über Einkommensverlust
orfon

Milchbube, der ich bin, schließe ich daraus, dass sich die anderen zwei Drittel von Allen still und heimlich die Hände reiben ob ihrer daraus resultierenden Einkommensmehrung: Von denen bekommt demgemäß jeder ein Sechstel, und das ist doch bitte nicht nichts!

Zur einfacheren Zuteilung bitte sich immer schön dreierweise zusammenzustellen.



Erster Mai, zweite Meinung 1.5.2022, 0:00

Wer zu wenig schläft,
Sollte mehr schlafen
Zweizeiler, Bild der Frau

Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
Groucho Marx

Es handelt sich (Zitat 1) vermutlich um das Fragment eines Vierzeilers. Was wären wir gespannt auf das komplette Gedicht (Versschema a-b/a-b oder a-b/b-a?)!

Die hier nicht angeführte Unterüberschrift des angerissenen Artikels deutet indes darauf hin, dass übergewichtige Frauen untersucht worden seien. Empörungsbereit fahren wir sogleich hoch: Bitte wer hat – Gegenprobe! – untergewichtige Frauen übersucht? Diese Frage sei nämlich schon auch erlaubt. Zweite Meinung!

Wir haben uns ja seinerzeit am 1. Mai mit der Stadtkapelle schon gegen sechs in der Früh beim Instrumentendepot, einer Kleinwagengarage neben der Musikschule, getroffen und sind dann mit dem städtischen Bus zum ersten Einsatz beim Weckruf gebracht worden, in die Steinfeldstraße, wo, fronleichnamsanalog, in Nelken gerahmte Brunokreiskyportraits bei den Fenstern im Erdgeschoss ausgebracht waren, was es zu honorieren galt, und deshalb haben wir zuerst dort gespielt, den weltberühmten 47er-Regimentsmarsch (im Marschbuch die Nummer 1), aber schon noch recht müde. 

Das Gulasch und die gierig gekippten zumindest zwei Bier um 8 beim Gasthaus Bauer haben den Schlafmangel gewichtsmehrend ausgeglichen und die Laune massiv gehoben. Zumindest einmal hat sich beim Einmarsch über die Ennsbrücke Richtung Stadtplatz der Asphalt nachgerade aufgewellt vor uns, so sehr hat es geschaukelt. Waren es die morgendlichen Bier im juvenilen Beweiskörper oder war es der – auf Brücken verbotene – Gleichschritt der Blaskapelle?

Wir brauchen, überall, zweite Meinungen. Man könnte das auch Marxismus nennen. Auch das.



Einburger Zwölf-Elf 30.4.2022, 0:00

Freiburger Einspruch nach Bayern-Fauxpas
orfon 

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.

Christian Morgenstern

Wird schwierig. Also nicht sich mit Bayern anzulegen (was an sich bereits hürdig genug wäre). Wir befinden uns nämlich auf orfon. Mit dem muetterlog Vertraute wissen, dass orfon die – muetterlogangemessen, das muetterlog ist ein altväterisches Emanationsportal – veraltete Bezeichnung für die Internetsäule des so geschätzten öffentlich-rechtlichen österreichischen Zentralorgans ORF ist, und on steht für online. Dort pflegen sie, vermutlich nicht immer absichtlich, der Alliteration sowie weiterer mehr oder weniger subtiler sprachlicher Figuren und Figurellen, an jenem Tag, da vom Freiburger Einspruch berichtet wurde, waren dies (u.a.) ›Warten auf Woods hält Augusta in Atem‹, ›Rudern wie die Römer‹, ein Mann würgte seine Mutter, während wiederum ihrer Mutter Madonna gedachte.

Worauf wir hinauswollen (und die Freiburger unfreiwillig hinausmüssen): Bei jedwedem Einspruch der Freiburger kann, aus spracharithmetischen Gründen, nur der Freispruch in der Luft hängen, da mögen noch so siebzehnsekundenlang (ein Fauxpas am Freiburger Feld) zwölf Bayern im Spiel gewesen sein, und gegen ein 1:4 hilft’s sooderso wahrlich wenig.



Untergang 29.4.2022, 0:00

Irischer ›See, der verschwindet‹ verschwindet nicht mehr
orfon 

Hier handelt es sich um verschwundenes (oder verschwindendes, im Verschwinden begriffenes) Verschwinden, das Verschwinden selbst ist verschwunden. Wir erinnern uns der gedankenexperimentellen Versuchsanordnung Karl Valentins und Lisl Karlstadts betreffend die Frage nach Fremden unter Fremden, was denn das sei und wie denn das gehe, und Valentin löst es auch gewissermaßen geographisch, verkehrsgeographisch, ein Zug (voller Fremder) auf einer Brücke, darunter, querend wohl, ein anderer Zug, voller einander vermutlich völlig fremder Menschen. Dann entschwinden sie sogleich unserem wahrnehmenden Interesse, die Züge, jeder seines Wegs.

Ein einziger Untergang.



klarer Fall 28.4.2022, 0:00

Der Zauberer zaubert: Wir sind bezaubert.
Der Zauberer stürzt: Wir sind bestürzt.

Sprache kann so klar sein. 

Ob’s ein Trost kann sein? Wer wüsste Rat, nun?



Rechenhilfe 27.4.2022, 0:00

Einfacher soll die Berechnung der Beihilfe werden. Bisher wurde dafür von einer fiktiven Höchstbeihilfe ausgegangen, von der je nach Vorliegen bestimmter Umstände Geld abgezogen wurde. Künftig wird von einem Grundbetrag von 335 Euro ausgegangen, zu dem bestimmte Zuschläge dazugerechnet werden.
orfon

Hier geht es um die Studienbeihilfe, und ich kann mich noch lebhaft erinnern, wie ich mir in der Volksschule die Hochschule (auf die ich dereinst gehen wollte) vorgestellt habe: Alle sitzen in (der Körpergröße Erwachsener angepassten aber sonst identen) Zweierbänken und hören aufmerksam zu, kein Schwätzen, und alles geschieht irgendwie feierlich-ernst.

Auch in der Volksschule ist uns das Zusammenzählen leichter gefallen als wie das Abrechnen, wie, etwas später, uns auch das Malrechnen einfacher von der Hand ging als das Teilen.

Wir gehen immer von dem aus, was wir kennen. Und können.

Sowas nennt man lebenslanges Lernen.



Rechenrochen 26.4.2022, 0:00

Fische können addieren und subtrahieren
orfon

weniger ist mehr
Bescheidungsweisheit

Jungfrauen, Schützen, Wassermänner, möglicherweise Zwillinge auch.

Wir haben ja das Addieren noch als Zusammenzählen gelernt, und mit und addiert. Und zum Subtrahieren haben wir Abzählen oder Weniger-Rechnen gesagt, und mit weniger abgezählt. Dass man subtrahieren und nicht substrahieren sagt, verlangt mir noch heute eine gesonderte Nachdenkanstrengungsleistung ab, nicht mehr und nicht weniger. Das aber schon auch.



enterbt 25.4.2022, 0:00

Menschliches Erbgut komplett entziffert
orfon

Keine Sorge: Das macht die Notare dieser Welt nicht brotlos. 

Im Gegenteil. 

Nachdem es lange von allen Seiten umworben worden war, weil jeder als erster in seinen Besitz kommen wollte, war es nun still geworden um das menschliche Genom. Es hatte sich entschlüsseln lassen, und nun hatte es das Gefühl, es sei beraubt und ausgeweidet worden. Nicht Goldschmiede, Schlossermeister mit dem Wissen von Erfindern der Renaissance oder Leonardo da Vinci persönlich waren am Werk gewesen, sondern die Daten waren in falsche Hände geraten. Das Genom gab bekannt, es werde sich in den nächsten 21 Tagen wieder verschlüsseln. 
Angela Krauß, Im schönsten Fall



abständig 24.4.2022, 0:00

Hubble-Teleskop erspähte den mit Abstand fernsten Stern
derstandard.at

Attenzione! Allontanarsi dalla linea gialla!
Bahnsteigdurchsage, Italien

come da lontano
musikalisch-aufführungspraktischer Hinweis

Von je ferner wir wo hin schau en, umso noch weiter ist es weg, undzwar mit Abstand. Die sehen ja oft was, das es schon längst nicht mehr gibt, Jahrmilliarden.

Manches, das fern erscheint, nähert sich mit der allergrößten Geschwindigkeit. In Italien ist jede Gefahr von vornherein gebannt, es halten sich alle von der Gelben Linie fern, sie allontanieren sich aber sowas von, und das ist bitte nichts unanständiges.

Ohne mit Abstand gibt es keinen Fernstern. Sternfern, dieser Fernstern. Fernststern.



fulminant, oder? 23.4.2022, 0:00

Zum Beispiel haben Jubiläumskonzerte von Stadtmusikkapellen in aller Regel fulminant zu sein. Und sämtliche schwierigen Stellen werden selbstredend von allen (insbesondere vom tiefen Blech, den Hörnern, Trompeten und Flügelhörnern, aber auch von den Klarinett- und Flötinnen) stets ausschließlich mit der allergrößten Bravour gemeistert. Alles unter fulminant unterflöge nämlich jedes Wertungsspielradar. Mit Auszeichnung, Kunststufe hin oder her.

Meine einzige Auszeichnung ist das Jungmusiker-Leistungsabzeichen in Bronze. Mehr war nicht drin, aber die Prüfung war fulminant. Muss fulminant gewesen sein.



Lesetheater 22.4.2022, 0:00

Ein Fehler trat auf, bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut
Systemmeldung

… und schon bist du mitten im Geschehen, es ist wie in einem Roman, lässt sich vielversprechend an, könnte ein veritabler Pageturner werden! Wie aber kam es, dass du ihn nicht bemerktest, den Fehler, als er auftrat, kam er von links, von rechts, von oben oder gar aus dem Orkus, will heißen praktischerweise aus dem Souffleurkasten, und wer sagt denn, dass es ein Fehler war, wie wär’s mit einer Fehlerin, bitte schön immer alle miteinbedenken, eine FLINTA*-FehlerIn, sonst verliert die Geschichte an Gehalt, und keinesfalls Dreadlocks, ist sie blond und europäisch, wobei wir bei ukrainischen FLINTA*-FehlerInnen generös und auf beschränkte Zeit eine Ausnahme machen werden und es bei einer Verwarnung belassen wollen.

Bei mir sind – ich bin doch kein System – noch nie Fehler aufgetreten; dennoch will ich es gern zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen. Und dann noch einmal. Hab ja keine Krone, zumindest kein Steinchen, das mir aus ihr fallen könnte, und wenn, dann eh nur in den Mund. 

Aufpassen beim Zubeißen heißt’s, generell.



kommt auf 21.4.2022, 0:00

Jérôme Dreyfuss: Auf diese Handtaschen schwören Französinnen
kurier.at

Amerikaner, aber auch Amerikanerinnen, pflegen, nicht nur im Film, vor allem vor Gericht, auf die Heilige Schrift zu schwören. Im gottlob laizistischen Frankreich muss das anders sein, und welches entzückendere Objekt einigermaßen handtauglicher Größe ließe sich denn vorstellen alswie eine Damenhandtasche, darauf einen rechtsverbindlich-pathetischen Eid abzulegen, «je jure, votre honneur», sowahr mir Dreyfuss helfe, heretgegen unvorstellbar bleiben muss, dass der Franzose vor sich eine Herrenhandtasche, Modell Mallorka 1980, mit Brandprägung und praktischer Handgelenkshalterungsschlaufe, hinlegt, um selbiges geschlossenen Augs (les yeux fermés) mit allem angebrachten Ernst zu bezeugen, nichts als die Wahrheit, la verité, was aber könnte das Accessoire pour les hommes sein, ein Autoschlüssel?, die aber sind heutzutage schon so klein (worauf viele schwören), und so muss diese Frage für diesmal offen bleiben, unbeantwortet, wie ja oftmals nicht, nie, klar ist, ob jemand tatsächlich die Wahrheit sagt, schwören hin oder her, irgendwann aber kommt sie auf, die ganze Wahrheit, nuda veritas, in aller Regel jedoch erst, wenn es zu spät ist, hinterher, a posteriori, was für ein unfassbar langer Satz auch, es dauert, immer.

Heruntergebrochen: Ein Franzose ist kein Teletubby.



Powered by WordPress /* kostenloser Counter

*/